Aktive Rentner

Da geht noch was

Mancher sieht dem Ruhestand mit gemischten Gefühlen entgegen: Was sind die nächsten Ziele, wo wird man gebraucht? Inspiration für ein aktives Rentenleben

»Ruhestand nimmt man sich von der Arbeit – nicht vom Leben.« Was vor 40 Jahren noch anders aussah, ist heute Motto vieler frischgebackener Rentner: Sie bleiben neugierig, bereisen die Welt, knüpfen neue Kontakte, engagieren sich ehrenamtlich, lernen täglich dazu. In der Werbe­sprache ist man jenseits der 65 nicht mehr »Senior«, sondern »Best Ager«, also in den besten Jahren. Und immer mehr Ruheständler sehen das genauso.

Keine Sorge. Wer sich – insgeheim – trotzdem noch vor dem Älterwerden fürchtet, dem liefern wir Ideen, um lange jung, aktiv und mittendrin zu bleiben. Hierfür haben wir mit beeindruckenden »Best Agern« gesprochen und spannende Projekte in ganz Deutschland recherchiert, die immer noch Mitstreiter suchen. Dazu liefern wir die Adressen der wichtigsten Ansprechpartner und helfen Ihnen, den besten Einstieg in Ihr neues, arbeitsfreies Leben zu finden.
 

Politik & Soziales: Ohne uns läuft gar nichts

Es ist ein erhebendes Gefühl, gebraucht zu werden, in der Gesellschaft etwas zu be­wegen, für andere da zu sein. Und zugleich Menschen zu treffen, reden und zuhören zu können: sechs wunderbare Möglichkeiten, sich deutschlandweit sozial zu engagieren.

Seniorenbeirat

In manchen Städten sorgen sie dafür, dass ein behindertengerechter Weg zum Bahnsteig entsteht. Oder eine hüftfreundliche Bank in der Fußgängerzone aufgestellt wird. Oder mehr Englischkurse angeboten werden: Seniorenbeiräte setzen sich überall in Deutschland dafür ein, dass ihre Kommune Jahr für Jahr ein bisschen lebenswerter wird. Der Seniorenbeirat Gladbeck (NRW) ist hierfür ein Paradebeispiel: Seit 40 Jah­ren arbeiten die ehrenamt­lichen Vorstandsmitglieder und Helfer hier eng und höchst erfolgreich mit der Stadt zusammen.

Wer sich lokal engagieren will, findet wertvolle Infos in den Seniorenwegweisern, die alle Städte als Broschüre anbieten. Ansonsten direkt im Rathaus, bei ört­lichen Wohlfahrtsverbänden, Vereinen oder bei den Landes­seniorenvertretungen nach bestehenden Seniorenvertretungen fragen – oder selbst eine gründen.

Wunschgroßeltern

Heute kann sich glücklich schätzen, wer in der gleichen Stadt wie seine Kinder und Enkel lebt – viele Senioren sehen ihre Familie viel seltener, als sie es sich wünschen würden. Für sie wie natürlich auch für Menschen ohne ­eigene Nachkommen gibt es in vielen Städten aber eine Lösung: die etwa 100 Vermittlungsstellen für Wunschgroßeltern in Deutschland. Hier kommen Eltern, die sich sehnlich Oma und Opa in der Nähe wünschen würden, und kinderliebe Rentner zusammen.

Die Senioren- und Familienselbsthilfe Leipzig (SEFA) etwa sucht dringend weitere Wunschgroß­eltern – 200 Familien mit Kindern stehen derzeit auf ihrer Warteliste. Die Wunschomas und -opas bekommen eine Aufwandsentschädigung von vier Euro pro Stunde, die sie mit den Kindern verbringen, und werden nicht als günstige Babysitter betrachtet! Vielmehr geht es darum, eine langjährige gegenseitige Freundschaft aufzubauen – oft zahlt sich das später, wenn die Großeltern im höheren Alter hilfsbedürftig werden, doppelt aus. Ansprechpartner sind Wohlfahrtsverbände wie AWO, Caritas und Diakonie.

Die Tafel

Den Armen in unserer Gesellschaft helfen und gleichzeitig wertvolle Lebensmittel retten: Etwa 60 000 Ehrenamt­liche sorgen bei der Tafel in ganz Deutschland dafür, dass gute unverkaufte Waren den Weg von den Supermärkten und Bäckern in die Taschen der Bedürftigen finden.

Helfer über 60 Jahre können sich optimal bei der Sortierung der Lebensmittel, in der Verwaltung und der Betreuung von Infoständen einbringen. Mehr Infos zum nächsten Stützpunkt auf tafel.de sowie unter der Telefonnummer 030/20 05 97 60.

Silbernetz

Krank, niedergeschlagen und immer allein zu Haus – mit diesem traurigen Gefühl müssen Berliner Senioren nicht leben. Seit 2017 bietet das Hilfetelefon Silbernetz einsamen Menschen die Möglichkeit, über die kostenlose Rufnummer 0800/4 70 80 90 mit geschulten Mitarbeitern zu sprechen, so lange sie wollen. »Keine Frage zu groß, kein Problem zu klein« lautet das Motto der Hotline, die täg­lich zwischen 8 und 20 Uhr besetzt ist – an Feiertagen sogar spätabends oder nachts.

Eveline Harder ist eine der ehrenamtlichen Helferinnen. Nachdem sie selbst sich am Weihnachtsfest 2017 sehr einsam fühlte, wollte die 78-Jährige sich im Folgejahr an den Feiertagen beschäftigen und gleichzeitig für andere da sein. »Es hilft oft, wenn ich den Anrufern von meiner eigenen Erfahrung mit der Einsamkeit berichte – das ist wie ein Tür­öffner ins Gespräch«, sagt sie. Das Silbernetz sucht weitere Mitstreiter, Informationen stehen auf silbernetz.org/silbernetz-freund_in.html. Bald soll die Hotline bundesweit erreichbar sein, dann werden hilfsbereite Senioren in ganz Deutschland gesucht.

Lesepatenschaft

Flüssig lesen und sprechen zu lernen ist gerade für Kinder mit Migrationshintergrund keine Selbstverständlichkeit. Hier helfen geduldige Lese­paten in Schulen, Kitas und Bibliotheken, das Lesever­mögen zu fördern und so entscheidend zur Schulbildung der Kleinen beizutragen.

Über die Google-Suche »[Ihre Stadt] ehrenamtlich Lesepate« (das dritte Wort kann auch durch »Leselernhilfe« oder »Lesementoren« ersetzt werden) finden Sie die nächste Vermittlungsstelle für eine Patenschaft.

Grüne Damen & Herren

Sie sind in Altenheimen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern unterwegs: Die bundesweit mehr als 7 600 Grünen Damen und Herren, erkennbar am hellgrünen Kittel, besuchen ehrenamtlich alte und hilfsbedürftige Menschen am Krankenbett, übernehmen kleine Besorgungen und leisten Gesellschaft.

Wer sich bei dem Besuchsdienst engagieren möchte, kann sich über die Seite ekh-deutschland.de sowie die Telefonnummer 030/25 76 17 94 informieren.

Bilden & Ausbilden: Wissen kann man nie genug

Bildung ist keine Frage des Alters. Gemeinsam Neues zu erfahren, aber auch anderen etwas beizubringen, macht Spaß und hilft dabei, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Einmal mehr eine echte Win-win-Situation.

Seniorenstudium

Studieren ist nur etwas für Schulabgänger? Falsch: Derzeit sind hierzulande nach Angaben des Akademischen Vereins der Senioren in Deutschland (AVDS) etwa 55 000 Studis im Rentenalter eingeschrieben – Tendenz steigend. »Die Welt der Senioren hat sich geändert. Sie möchten heute aktiv sein, mitreden und noch etwas lernen«, sagt Bernd Werner Schmitt. Er ist Mitheraus­geber des AVDS-Studienführers für Senioren, der umfassend zu jeder Uni informiert und den Einstieg erleichtert (16,90 Euro, bestellbar auf avds.de oder über die Nummer 0931/4 60 53 54).

Studienarten. An etwa einem Drittel der deutschen Universitäten werden spezielle Seniorenstudiengänge an­geboten, deren Programme auf ältere Erwachsene ausgerichtet sind. Daneben besteht an fast jeder deutschen Uni die Möglichkeit, fächerübergreifend als Gasthörer an Vorlesungen teilzunehmen. Die Gebühren belaufen sich je nach Uni und Anzahl der Wochenstunden auf circa 40 bis 300 Euro pro Semester. Se­ni­oren mit Abitur können auch ein reguläres Bachelor- bzw. Masterstudium aufnehmen. Am meisten interessieren sich die »Spätzünder« übrigens für Geisteswissenschaften, etwa Philo­sophie, Geschichte und Germanistik, aber auch für Archäo­logie oder Alte Sprachen.

Digital-Kompass

Kontakte pflegen, online eine Reise planen oder die Bankgeschäfte von zu Hause aus erledigen: Das Internet bietet älteren Menschen viele Annehmlichkeiten. Trotzdem sind nach Informationen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) rund die Hälfte der Menschen über 65 Jahre ­»Offliner«, haben also bisher keinen Zugang zur Netzwelt.

Schulung. Das Projekt Digital-Kompass soll das ändern: Dabei werden Senioren, die bereits gute Erfahrungen mit Geräten und Internet gemacht haben, darin geschult, ihr Wissen an andere Menschen weiterzugeben. Bundesweit sollen in den nächsten Jahren 75 Digital-Kompass-Standorte aufgebaut werden, über die jeder mitmachen kann: die, die Lust haben, anderen das Internet nahezubringen, und die, die es für sich erobern möchten. Informationen auf digital-kompass.de und unter der Nummer 0228/55 52 55 50.

Senioren-Experten

Ihr wertvolles Wissen aus ­vielen Berufsjahren an andere weiterzugeben ist für die meisten Älteren ein wunderbar befriedigendes Gefühl. Der Senior Experten Service (SES) vermittelt dieses Know-how an die, die davon am meisten profitieren: Alle Fachkräfte, die mindestens acht Jahre in einem Beruf gearbeitet haben, können sich auf ses-bonn.de registrieren. Sie werden dann im Schnitt vier bis sechs Wochen pro Jahr auf Kosten des SES in Entwicklungsländer entsandt, wo sie in hiesigen Werkstätten und Fabriken etwa Mitarbeiter schulen und Arbeitsabläufe verbessern.

Vor Ort. Seit einiger Zeit können die SES-Mentoren ihr Wissen auch in Deutschland einbringen, wo sie lern­schwache Schüler oder Auszubildende betreuen. Beraten lassen kann man sich unter der Nummer 0228/26 09 00.

Alt-&-Jung-Patenschaft

Ursprüngliche Idee der Alt-&-Jung-Chancenpatenschaften war, dass lebenserfahrene Mentoren junge Migranten begleiten und ihnen das Ankommen in Deutschland erleichtern. So entstanden mit der Zeit viele Freundschaften und ein Austausch zwischen verschiedenen Kulturen, Generationen und Lebenswelten, der beiden Seiten nützte.

Erweitert. Inzwischen wird das Projekt ausgeweitet: Nun werden an den 17 Standorten in Deutschland auch Paten für junge Menschen gesucht, die von sozialer Benachteiligung betroffen sind. Infos auf chancenpatenschaften.de

Bildungsreisen

Den Horizont erweitern, fit bleiben, andere Länder nicht nur sehen, sondern wirklich verstehen: Bildungsreisen sind die beste Art, Erholung und Lernen zu kombinieren. Zusammen mit erfahrenen Reiseleitern beschreiten die Teilnehmer Geschichts- und Kulturstätten, bauen Kontakt zu Einheimischen auf, testen die regionale Küche oder lernen neue Sprachen. Gleichzeitig sind die Trips auf die Bedürfnisse älterer Reisender ausgerichtet, was etwa den Komfort anbelangt.

Anbieter. Veranstaltet werden Bildungs- und Sprachreisen je nach Ort von Seniorenclubs, Volkshochschulen oder Wohlfahrtsverbänden.

Rent a Rentner

Warum wertvolles Berufswissen brachliegen lassen, wenn man sich etwas hinzuverdienen kann? Die Plattform rentarentner.de vermittelt Jobs für Rentner in ganz Deutschland.
Beispiel Hier kann etwa der ehemalige Steuerberater anbieten, anderen gegen ­einen selbst gewählten Betrag bei der Steuererklärung zu helfen. Vielen Nutzern geht es dabei nicht in erster Linie ums Geld, sondern um den Spaß am früheren Beruf und das Gefühl, gebraucht zu werden.
 

Sport & Hobby: Aus Spaß an der Freude

Stricken, tanzen, tüfteln und Bekannte treffen – was früher nur abends und am Wochenende einzurichten war, ist nun den ganzen Tag drin. Vier Ideen, um sich und anderen etwas Gutes zu tun.

Seniorentanzleiter

»Frei von Perfektion und Stress«, so beschreibt der Bundesverband Seniorentanz die Gruppen, die alle Menschen mit Spaß an Bewegung zusammenbringen. Immer gesucht werden bundesweit nicht nur weitere Teilnehmer, sondern auch Ruheständler mit Rhythmusgefühl, die sich zum Tanzleiter für die Seniorengruppen ausbilden lassen möchten. Nach etwa drei
Wochen halten die Leiter ihr Zertifikat in den Händen und können dann eine eigene Gruppe gründen oder eine bestehende übernehmen.

Lokal. Unter der Telefonnummer 0421/44 11 80 oder der Website erlebnis-tanz.de (hier unter »Landesverbände«, dann »Arbeitskreis«) finden potenzielle Tanzleiter bestehende Tanzgruppen in ihrer Region.

Seniorentheater

Einmal auf der Bühne stehen, in spektakulären Kostümen zu schauspielern, singen und tanzen gehört für viele Menschen zu den Träumen, die sie ein ganzes Leben vor sich herschieben. Eine rege Seniorentheaterlandschaft in ganz Deutschland lädt jeden ein, in neue Rollen zu schlüpfen – oder als helfende Hand hinter den Kulissen mitzumachen. Tipp: Beim Seniorentheaterfestival stAGE! (16.–19.5., Esslingen) können sich Inte­ressierte Appetit holen.

Kontakt. Der Bund Deutscher Amateurtheater vermittelt unter der Telefonnummer 030/26 39 85 90 oder über die Homepage bdat.info/der-verband/mitglieder/mitgliedsverbaende Kontakte zu Theatergruppen in Ihrer Nähe und informiert zum Festival.

Wooligans

Mit Stricknadeln gegen die Not: Bei den Hamburger Wooligans treffen sich einmal im Monat Strick- und Häkelfans bei Kaffee und Tee, um ihr Hobby für einen guten Zweck zu nutzen. Die aus gespendeter Wolle entstandenen Mützen, Socken und Pullover werden an Obdachlose verteilt. Alter und Geschlecht der Helfer spielen keine Rolle – die bisher jüngste Strickerin in der Gruppe war neun, die älteste 89 Jahre alt. Auch Ungeübte sind willkommen: »Es findet sich immer jemand, der zeigt, wie’s geht«, sagt Sarah McHardy, eine der Gründerinnen der Wooligans. Wer mitmachen will, aber nicht in Hamburg wohnt, kann seine gestrickten Teile an Meike Bernhard, 903 744 563, Postfiliale 513, 22309 Hamburg (nur mit DHL) schicken.

Austausch. Die Gruppe berät auch gern, wenn jemand eine neue Strickgruppe in seinem Wohnort gründen will (E-Mail: netzwerk@wooligans.net). Darüber hinaus finden sich in vielen anderen Städten, z. B. über Wohlfahrtsverbände oder Mehrgenerationenhäuser vermittelt, ähnliche Treffs – hier werden dann etwa Mützen für Krebs- oder Frühchenstationen gestrickt.

Repair-Cafés

Wer ein Herz für kaputte Elektrogeräte hat und dem Wegwerf-Wahnsinn entgegenwirken will, ist als Helfer in einem der über 700 Repair-Cafés und -Treffs genau richtig. Hier helfen passionierte Schrauber, Tüftler und Bastler den Besuchern, gegen eine kleine Spende defekte Elek­troteile wieder flottzumachen. In einigen Cafés werden auch kaputte Kleidungsstücke oder Fahrräder repariert.

Adressen. Treffs in ganz Deutschland sind auf reparatur-­initiativen.de, ­Telefon 089/74 74 60 18 und auf repaircafe.org/de zu finden.

 

Dies ist ein Textauszug. Den gesamten Artikel finden Sie in Guter Rat Heft 05/19 ab Seite 47.

Erstellt am 18.04.19

Artikel von Wiebke Hugen verfasst
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