Anzüge

Immer in Bestform

Manchmal muss es eben ein Anzug sein, da kommen auch Modemuffel nicht drum herum. Umso besser, wenn er auch noch bequem sitzt und gut aussieht

Die gute Nachricht: Ob mit Kugelbauch, Hängeschultern, Storchenbeinen oder ganz normal proportioniert – jeder Mann kann im Anzug gut aussehen. Und das auch mit Ware von der Stange. Von den Hollywoodstars, die in unserem Artikel Modell stehen, muss sich also niemand eingeschüchtert fühlen. »Es mag überraschen, aber: Das einzige wirkliche Figurproblem haben ­Bodybuilder. Die brauchen immer maßgeschneiderte Anzüge«, sagt Bernhard Roetzel, Stilexperte und Autor des Bestsellers »Der Gentleman – Das Standardwerk der klassischen Herrenmode«.

Kauf. Nun die, zumindest für Shoppingmuffel, weniger gute Nachricht: Den perfekten Anzug zu finden braucht Zeit. »So was sollte man nicht mal eben an einem Samstagnachmittag machen, wenn die Geschäfte überfüllt und alle sowieso schon genervt sind«, rät ­Roetzel. Besser: einen ganzen Tag Zeit nehmen, mehrere Fachgeschäfte oder Kaufhausketten aufsuchen und zehn verschiedene Anzüge von zehn verschiedenen Herstellern anprobieren. Modelaien sollten sich dabei unbedingt von einer kundigen Begleitung, etwa dem stets gut gekleideten Kumpel, oder einem Verkäufer beraten lassen.

Verlass. Wichtig sei, so Roetzel, das Gefühl, dass der Verkäufer einen verstehe und nicht irgendwas Trendiges aufschwatzen möchte. »Finger weg also bei typischen Sprüchen wie ›Das wird jetzt gern genommen‹.« Statt auf Moden wie den aktuellen, engen Slim-Fit-Schnitt sollte Mann lieber auf zeitlose Modelle setzen, die zum eigenen Typ passen.

Drei gehören in jeden Schrank
 

Mit dunkelblauen und dunkelgrauen Anzügen macht man bei jedem feier­lichen wie förmlichen Anlass eine gute Figur. Schwarz gehört als Variante für abends und zu Beerdigungen zum Standardrepertoire im Kleiderschrank.

Hemd. Zu dunkelblauen und -grauen Anzügen passen weiße sowie hellblaue und roséfarbene Hemden mit oder ohne dezentes Muster ideal. Von der Kombination dunkler Hemdfarben wie Schwarz, Bordeaux, Dunkelgrau oder Braun zum Anzug sei dagegen, so Bernhard Roetzel, »dringend abzuraten«.
Kontrast Während dunkelhaarige Männer ruhig auf kräftigere Farbzusammenstellungen wie den nachtblauen Anzug zum weißen Hemd setzen können, stehen blassen Typen kontrastarme Outfits wie der marineblaue Anzug mit hellblauem Hemd meist besser.

Ideale Passform für jede Figur
 

Um den perfekten Sitz von Jackett und Hose zu beurteilen, helfen einige Faustregeln: Die Anzugjacke sollte nicht wie ein Kasten wirken, sondern eine Taille erkennen lassen. Bei herabhängenden Armen muss man auf Höhe der Ellenbogen, also zwischen Armen und Körper, hindurchschauen können. Gerade rundliche Männer lässt eine gut sitzende Anzugtaille schlanker aussehen.

Länge. Grundsätzlich sollte die Anzugjacke immer das Gesäß bedecken. Hier können normabweichende Herren aber etwas tricksen: Bei kleinen Männern kann die Jacke minimal kürzer sein, bei großen etwas länger.

Figur. Generell gilt für beleibte Männer: keine großen Flächen entstehen lassen! Krawatte und Weste etwa können einen großen, weißen »Hemdbauch« optisch senkrecht unterteilen. Je gedrungener man ist, desto klarer sollte die Trennung zwischen Hosenbein und Erdboden sein. »Gerade bei kleinen, kräftigen Männern ist das ­Hosenbein unten häufig zu weit und fällt über die Schuhe – so entsteht schnell der Eindruck von Elefantenbeinen«, weiß ­Roetzel. Sein Tipp: immer darauf achten, dass sich die Hose nach unten verjüngt und auf keinen Fall zu lang ist. Bei richtiger Länge knickt sie auf dem Schuh nur einmal ein.

Ein Anzug für alle Zeiten
 

Wer beim Anzugkauf auf klassische Modelle setzt und Wert auf Qualität legt, kann diese bedenkenlos fünf bis zehn Jahre oder auch länger tragen. Und wertig heißt nicht immer extrem teuer: »Gute Anzüge bestehen zu einhundert Prozent aus Schurwolle oder Naturfaser«, so Roetzel. »Solche Modelle findet man auch im guten Kaufhaus ab ungefähr 200 Euro.«

Tipp. Investieren Sie lieber in einen Änderungsschneider statt in überteuerte Marken. Anzüge aus dem mitt­leren Preissegment und ältere, leicht überholte Modelle werden mit wenigen Anpassungen zum perfekten Begleiter für viele Jahre.

Und so kombinieren Sie richtig:
 

Schuhe – setzen Sie auf Klassiker
 

Material: Für einen ­stilvollen Auftritt sind echte Lederschuhe mit rahmen­genähten Ledersohlen ein Muss.
Modell: Schwarze Schnürschuhe im ­Oxford-Schnitt passen zu jeder Anzugfarbe. Zu dunkelblauen und -grauen Anzügen dürfen es auch dunkelbraune Schnürer sein. Sehr edel wirken auch die sogenannten Monkstraps, die mit Riemchen verschlossen werden.
Gürtel: Schuhe und Gürtel sollten immer eine Einheit bilden, also die gleiche Farbe haben. Feiner Schnitt und Echtleder sind obligatorisch. Schlichte silberne Schnallen wirken ­wesentlich stilvoller als protzige mit Markenlogo. Wichtig: Nicht bei Schuhen und Gürteln sparen. Kenner merken das sofort, da hilft auch der schönste Anzug nicht.

Binder – Mut zu Farbe und Muster
 

Fliege: Man sieht sie selten, dabei wirkt die Fliege, von Modeprofis Schleife genannt, gerade in der selbst gebundenen schwarzen Variante zum Smoking sehr elegant. Manko: Sie lässt große Bäuche noch größer erscheinen.
Krawatte: Außer am »Casual Friday« und an heißen Tagen sind Krawatten zum Businesslook immer noch ein Muss – und zu Abendanlässen sowieso. Drei Standardvarianten gehören in jeden Kleiderschrank: eine dunkelblaue und eine dunkelrote, beide gern mit feinem Muster wie Pünktchen, Streifen oder Rauten, und eine schwarze Krawatte für Beerdigungen.

Accessoires – so wird's komplett adrett
 

Tuch: Einstecktücher sollten aus Überzeugung getragen werden und sind kein Muss, können beim ansonsten schlichten Outfit aber schöne Farbakzente setzen. Bunte, sei­dene Einstecktücher sollten farblich auf die Krawatte abgestimmt sein, sich jedoch im Muster unterscheiden, heißt: Zu einer rot-blau gestreiften Krawatte passt ein rotes Tuch mit Punkten. Auch weiße Einstecktücher aus ­Leinen harmonieren mit farbigen Krawatten.
Uhr: Zum Anzug sehen flache, eher zierliche Uhren am besten aus. Statt auf Trends sollte man eher auf zeitlos elegante Modelle setzen.
Schmuck: Neben der Uhr, dem etwaigen Ehering und zum Smoking ge­tragenen Manschettenknöpfen ist weiterer Schmuck zum Anzug ­absolut verzichtbar.

Vorsicht – hier droht der Stilbruch
 

Glitzer: Dicke Schmuckstücke wie Panzer-Goldketten, Armreifen oder Strass-Ohrstecker sieht man am stilbewussten Anzugträger ebenso wenig wie spießig wirkende Krawattenklammern.
Drüber: Als absolutes No-Go zum schicken Anzug gilt für Mode­kenner eine sportliche Outdoor-Jacke oder jedes kurze Jackenmodell, aus der das Sakko ­unten herausschaut. Immer besser: Mäntel.
Tasche: Auch Rucksäcke und sportliche Umhängetaschen machen sich über dem Anzug nicht gut. Im Beruf bleibt die klassische Aktentasche aus Leder die stil­sicherste Variante.
Exzentrisch: Beim Schuhwerk entstehen schnell Fauxpas, so sind etwa schwarze Lackschuhe am Abend zum Smoking absolut tragbar, tagsüber nie. Weiße, farbige, krokolederne, Sport- oder Stoffschuhe gehören in den Freizeitbereich.
Set: Hose und Jacke ­sollten beim ­Anzug immer zusammen­gehören. Ähn­liche Hosen zu kombinieren gilt als Stilbruch.
Gepflegt: Die Schuhe sollten immer geputzt, die Absätze nicht schief abgelaufen sein.

 

Eingestellt am 11.01.17

Artikel von Wiebke Hugen verfasst
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