So grillen Sie gesund

Grill-Tricks und Grill-Fehler

Ob Grill-Tofu oder Bierbüchsen-Huhn – am Rost werden die Deutschen kreativ. Aber nicht jede Idee ist auch bekömmlich. Ein Grill-Führer für Ernährungsbewusste.

O’grillt is! Nackenkoteletts und Bratwürste schmurgeln wieder über glühenden Kohlen, Fleischdämpfe wabern von Balkonen, Terrassen und aus Gärten. Die Grillzange ist fest in Männerhand. 53 Prozent stehen nach eigenen Angaben ausschließlich oder überwiegend selbst am Grill, während das nur jede fünfte Frau tut. Damit wird auch klar, welches Lebensmittel die Freiluft-Küche beherrscht: Fleisch belegt satte 97 Prozent Platz auf der Feuerstelle. Immerhin geben 61 Prozent der Befragten an, zusätzlich auch Gemüse zu rösten, bei 45 Prozent darf es auch Grill-Fisch sein. Auch die Öko-Welle ist inzwischen am Grill angekommen: Bei mehr als jedem achten Hobby-Brutzler kommen heute ausschließlich Veggie-Produkte wie Tofu-Würstchen oder Seitan-Schnitzel auf den Rost. 

Feuer und Flamme

Welches Grillgut ist denn das gesündeste? Die Antwort lautet: Das kommt darauf an. Denn ganz gleich, ob Steak oder Seitan – wenn beim Brutzeln am Rost und bei der Lebensmittelzubereitung nicht bestimmte Regeln beachtet werden, kann jede Grillkost zur Gefahr werden. 80 Prozent aller Freiluft-Feuerstellen sind Holzkohle-Grills. Um die Glut gefahrlos zu entfachen, sind feste oder flüssige Anzünder vonnöten, die zwischen den Kohlen verteilt werden. Dabei kann so Einiges schiefgehen. 

Ergebnis 4 000-mal pro Jahr kommt es durch falsches Anzünden zu Unfällen beim Grillen. Drei von zehn Deutschen sind beim Anzünden schon einmal Stichflammen entgegengeschlagen, jeder fünfte Hobby-Griller hat sich schon einmal die Kleidung angesengt, und drei Prozent haben schon einmal leichte Brandverletzungen erlitten, wie eine Untersuchung der AachenMünchener Versicherung ergab.

Tipp Finger weg von Spiritus oder Benzin als Anzünder – Explosionsgefahr! Nur zugelassene Grillanzünder mit Prüfsiegel kaufen, vorher die Gebrauchsanleitung lesen. Zudem Löschmittel wie einen Eimer mit Sand in der Nähe des Grills aufstellen. Niemals Wasser auf heißes Öl gießen, weil sonst Fettexplosionen drohen.Mehr Infos bietet auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Internet: www.vz-nrw.de/Grillen

Keime als Spassverderber

Auch Montezuma feiert gerne in der Grillsaison mit. Mit dem Anstieg der Temperaturen steigt auch die Zahl der Magen-Darm-Infektionen durch Lebensmittelverderber-Keime wie Campylobacter oder Salmonellen deutlich an. Wärme fördert die Keimvermehrung auf Fleisch, Geflügel und in Eierspeisen, Kälte und auch sehr hohe Temperaturen hemmen sie. Fleisch sollte immer kühl gelagert werden, bevor es im Freien auf den Grill kommt. Also entweder im Kühlschrank oder in geeigneten Behältern wie Camping-Kühlboxen. Zudem sollte auf Mayon-naise und andere eierhaltige Speisen verzichtet werden – Salmonellen-Gefahr. 

Lieber hausgemacht Vorsicht geboten ist auch bei abgepacktem mariniertem Grillfleisch: In einer von der Bundestagsfraktion der Grünen veranlassten Untersuchung fanden sich in fast jeder siebten Packung mit abgepackten marinierten Putenhack- oder Schweinenacken-Steaks Keime, darunter auch multiresistente Krankheitserreger wie Staphylokokken. Besser also selbst marinieren: Viele Kräuter wie Thymian, Oregano oder Majoran hemmen die Keimvermehrung oder töten Erreger sogar ab. Und ganz wichtig: Fleisch und Geflügel sollten immer gut durchgebraten sein – »medium rare« (innen roh) oder »medium« (rosa) sind tabu. Beim »sicheren« Grillhuhn sollte das Fleisch unmittelbar am Knochen also nicht mehr rosa, sondern weiß sein. 

Ablöschen Die lodernde Glut mit Bier übergießen, damit das Fleisch nicht verbrennt und zugleich ein zartes Hopfen-Aroma bekommt? Das zählt leider zu den Grill-Märchen. Mit dem Bierdampf wirbeln nämlich auch Ascheflocken auf und kleben am Fleisch fest. Das ist weder gesund noch gibt es ein besseres Aroma. Besser: Mit dem Hopfengetränk den Durst löschen. Immerhin ist Bier gesund für die Blutgefäße und seine Bitterstoffe wirken antibakteriell. Das haben speziell männliche Griller längst erkannt: Jedem vierten ist einer Umfrage zufolge Bier beim Grillen deutlich wichtiger als Salat …    

marion.meiners@burda.com

 

Artikel von Gast verfasst
Druckversion

Weitere Artikel in dieser Kategorie

Regenschirm-Test

Windstärke 7 – der Schirm hält

Neue Hersteller und Traditionsmarken ringen um das Prädikat »bester Schirm der Welt«. Wir haben vier Stock- und drei Taschenschirme getestet

weiterlesen

Lieferservice

Da sind Sie geliefert

Lieferdienste bringen heute so gut wie alles: Fast Food, Supermarkteinkäufe oder das Menü vom Sternekoch. Doch dabei kann viel schiefgehen

weiterlesen

Nur für Vieltelefonierer: Mobilfunk-Auslandspakete in der EU

Urlaubsgrüße versenden, den Wetterbericht abrufen, den Weg suchen - auch in den Ferien ist das Handy für viele ständiger Begleiter. Lohnt es sich für Kunden, hierfür ein Auslandspaket beim Provider zu buchen? weiterlesen