Wieder Kult

Die neuen Sofortbild-Kameras

Kameras, die nach dem Auslösen die Fotos auswerfen, sind wieder gefragt. Doch welche ist die richtige? Ein Vergleich

Am Eingang werden die ankommenden Gäste erst einmal zum Foto­termin beiseitegenommen. Bitte kurz lächeln, einen flotten Spruch auf den Rand des ausgeworfenen Porträts schreiben, und fertig ist der Partygag. Auch später am Abend kreist die neue Sofortbildkamera, sorgt mit ihren Schnappschüssen für jede Menge Spaß. Was die Älteren noch als Polaroid kennen und als damals einzige Möglichkeit, gerade geschossene Bilder sofort zu betrachten, war längst in Vergessenheit geraten und feiert plötzlich mitten im digitalen Zeit­alter eine fröhliche Renaissance.

Das belegen auch die Zahlen. Laut Photoindustrie-Verband stieg der Absatz von Sofortbildkameras in Deutschland von 62 000 im Jahr 2013 auf 410 000 Stück im Jahr 2017. Zum Vergleich, im selben Zeitraum stieg der ­Verkauf digi­taler Sys­temkameras von 224 000 auf 285 000 Stück. Grund genug für Guter Rat, dieses Phänomen doch ­einmal näher zu betrachten.

Überraschende Vielfalt

Gleich der erste Besuch in einem der ­großen Elektronikmärkte förderte sechs ­verschiedene Sofortbildkameras zutage, dazu kommen Modelle aus dem Onlinehandel. Eine Vielfalt, die überrascht.
Wir haben für unseren Vergleich neun ­aktuelle Kameras zum Preis von 66 Euro bis knapp 300 Euro ausgewählt. Darunter acht analoge und ein digitales Modell.

Zwei Systeme Die analogen Sofortbildkameras von heute arbeiten wie die ursprünglichen Polaroidkameras mit Foto­papier, dessen Entwicklungsgel das Bild in einem chemischen Verfahren langsam sichtbar macht. Bei den Instax-Filmen dauert es etwa 90 Sekunden, bis das ­Motiv erkennbar ist. Die vollständige Entwicklung braucht etwas länger. Beim Film­material von Polaroid Originals sogar bis zu 15 Minuten.

Mit der Snap Touch hat Polaroid auch ein sogenanntes Hybridmodell, das Digitalkamera und Zink-Drucker in einem Gehäuse vereint. Bei der Zero-Ink-Technik befinden sich Farbpigmente in den Papierschichten, die durch thermische Impulse unterschiedlicher Temperatur und Dauer aktiviert werden. Der rahmenlose Ausdruck startet nicht unmittelbar nach dem Auslösen, sondern wird erst nach Begutachtung der Aufnahme auf Wunsch ausgelöst und kann beliebig oft wiederholt werden. Zudem wird die Aufnahme gespeichert. Ein Unding für alle, die Wert auf das Sofortbild als Unikat legen und dessen ganz speziellen Charme im klassischen Rahmen lieben.

Betriebskosten Wer sich eine Sofortbildkamera zulegen möchte, muss sich vor dem Kauf für ein Bildformat entscheiden. Die Größe der Bilder lässt sich später nicht mehr variieren und hat zudem ­Einfluss auf die Betriebskosten.

Das gängigste Format ist Instax Mini von Fujifilm. Die Kassetten mit zehn Blatt Fotopapier passen auch in die Kameras von Lomo Instant und in die Leica Sofort. Das Format ist mit 46 x 62 Millimetern aber nur halb so groß, wie das der historischen Vorbilder. Dafür bleiben die Kosten mit etwa 62 Cent pro Bild im erträglichen Rahmen. Fujifilm bietet mit Instax Square und Instax Wide zwei größere, aber auch entsprechend teurere Formate an.   

Polaroid hat für die analoge OneStep 2 zwei verschiedene Filmkassetten. Beide mit acht Blatt und 79 x 79 Millimeter Bildgröße. Der Unterschied: Die Kassetten vom Typ Color 600 haben wie das historische Vorbild eine Batterie, um das Bild auszuwerfen und den Blitz mit Strom zu versorgen. Beides ist bei der OneStep 2 unnötig und macht die Bilder teurer. Die i-Type-Kassetten kommen ohne eigene Batterie aus. Dennoch kostet ein Bild 1,58 Euro. Das ist der höchste Preis im Vergleich.
Mit dem Zink-Fotopapier für die Polaroid Snap Touch lässt sich bei günstigem Einkauf der Preis für ein Bild auf 50 Cent senken. Preiswerter geht es nicht.   

Ausstattung bewusst sparsam

In Sachen Ausstattung darf der interessierte Kunde keine Wunder erwarten. Die Kameras haben eine geringe Lichtstärke, die Entfernungseinstellung beschränkt sich meist auf die Wahl zwischen Nah- und Fernbereich, und die Verschlusszeit ist unveränderlich. Das Einsteigermodell Instax Mini 9 hat nicht einmal eine Belichtungsautomatik. Hier muss die Blende manuell eingestellt werden. Und auch bei der Polaroid OneStep 2 erfolgt die Belichtungskorrektur per Hand. Am besten schneidet da noch die Instax Square SQ6 von Fujifilm ab. Im schmucken Gehäuse steckt eine gute Ausstattung, ohne dass der Preis gleich wie bei der Leica durch die Decke geht.

Die SQ6 erlaubt im Makromodus ­Nahaufnahmen zwischen 30 und 50 Zentimetern, eine automatische Belichtungssteuerung reagiert auf das Umgebungslicht, Landschaftsaufnahmen und auch Doppelbelichtungen sind möglich. Welcher Modus gerade aktiv ist, zeigen LEDs an. Mit dem Selfie-Spiegel an der Frontseite steht die Kamera nicht allein, aber Farbfilter für den Blitz bringt sonst nur noch die Lomo Instant Automat Glass mit. Das verleiht den Bildern stimmungsvolle ­Effekte. Besonders gut gefällt das quadratische 62 x 62 Millimeter große Format der Bilder.
war sind auch die Bilder der One Step 2 quadratisch und mit 79 x 79 Millimetern größer als beim Durchschnitt. Die Kamera selbst wirkt im Vergleich zur SQ6 allerdings recht klobig und setzt so wohl die Tradition ihrer Vorgänger fort. Für das Gelingen von Selfies fehlt ihr der kleine Spiegel an der Front.

Bedienung Die Bedienung der Kameras ist so einfach wie deren Ausstattung. Weil auf keinen der eingebauten Sucher wirklich Verlass ist, braucht es dann doch einige Übung, um das Motiv richtig zu treffen. Die Lomo Instant Sanremo überrascht mit einem Hebel als Auslöser. Da ist das ­Verwackeln programmiert. Wer sich ein wenig mit Lomography auskennt, ahnt, dass das genauso zur Philosophie gehört wie unter- oder überbelichtete Bilder mit dunklem Bildrand. »Don’t Think, Just Shoot«, also »Nicht nachdenken, einfach abdrücken«!

Tipp Das Wedeln mit dem frisch ausgeworfenen Sofortbild verkürzt dessen Entwicklungszeit nicht, kann aber das Material beschädigen. In Foren wird zudem geraten, die Filmkassetten wegen des Entwicklungsgels kühl zu lagern und erst kurz vor dem Einsatz auf Zimmertem­peratur zu bringen.  

Fazit Bei der Sofortbildfotografie steht der Spaß im Vordergrund. Es ist einfach etwas anderes, ob man das Foto sofort in Händen hält oder nur auf dem Handy ­dabeihat.
Wer sich darauf einlässt, muss aber seine Ansprüche an die Ausstattung der Kamera und an die Bildqualität herunterschrauben.

 

Dies ist nur ein Textauszug. Sämtliche Testergebnisse finden Sie in Guter Rat Heft 10, nachbestellbar per E-Mail an nachbestellung@guter-rat.de

 

Erstellt am 10.10.18

Artikel von Gunnar.Doebberthin verfasst
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