Erektionsstörungen

Was hilft, wenn der Mann nicht mehr kann?

Bleibt die Erektion mal aus, ist das kein Drama. Geht im Bett gar nichts mehr spricht man von Erektiler Dysfunktion. Lesen Sie, was die Ursachen sein können.

Frank Sommer

Hier macht Prof. Sommer bei einem Patienten mit einer Gefäßverengung am Penis einen Ultraschall der Nieren. Denn häufig liegen auch an anderen Organen Durchblutungsstörungen vor

Interview: Christiane Fenske

Früher glaubte man, Potenzstörungen hätten psychische Ursachen. Sie sa­gen, dass dem nicht so ist. Woran liegt es dann? 

Inzwischen weiß man, dass sie bei bis zu 90 Prozent der Betroffenen organisch bedingt sind. Typische Auslöser sind Veränderungen am Penis, an seiner Blutversorgung oder den Nervenbahnen. Auch ein ungesunder Lebenswandel mit zuviel Alkohol und Nikotin kann sich ungünstig auswirken. Zu der organischen Problematik kommen dann oft psychische Faktoren hinzu. Der Mann sorgt sich, dass er seinen Mann nicht mehr stehen kann – und ein Teufelskreis beginnt. 

Wie kommt es zu diesen organischen Störungen? 

Um eine gute Erektion zu haben, muss viel Blut in den Penis fließen. Ein gestörter Blutzufluss z.B. durch Gefäßverengungen verhindert das. Oft kommt erschwerend hinzu, dass der Penis-Aufbau im Laufe des Lebens sich verändert: Für eine ausreichende Erektion braucht man glatte Muskelzellen, die mit dem Alter aber verloren gehen. Stattdessen lagert sich Bindegewebe ein. Langfristig führt der Umbauprozess dazu, dass der Penis bei Erregung einfließendes Blut nicht halten kann. Er wird größer, aber nicht hart genug. Nun kommt unter anderem der Beckenboden ins Spiel. 

Was hat der damit zu tun? 

Eine gut trainierte Beckenbodenmuskulatur hilft, das in den Penis geflossene Blut dort zu halten. Deshalb sind gezielte Beckenbodenübungen nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer wichtig.  

Gibt es typische Erkrankungen, die Potenzprobleme mit sich bringen können? 

Stoffwechselstörungen z.B. Schilddrüsen-Erkrankungen oder Diabetes ebenso wie Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems können die Ursache sein. Gibt es Durchblutungsstörungen, fließt nicht mehr genügend Blut in den Penis.  Auch die hormonelle Situation spielt eine Rolle: Der Testosteronwert im Blut sinkt im Laufe des Lebens langsam ab. Es ist das Königshormon des Mannes und auch wichtig dafür, dass die Muskelzellen im Penis in ihrer Funktion erhalten bleiben,  die für die Erektionsfähigkeit wichtig sind. 

Stimmt es, dass Erektionsstörungen schwere Krankheiten anzeigen können? 

Der Penis ist eine Art Seismograf für drohende Herz- und Gefäßerkrankungen. Wird er im stimulierten Zustand schlecht durchblutet, hat der Mann ein potentiell höheres Infarktrisiko.  Studien zeigen, dass Männer mit Gefäßveränderungen am Penis vier bis acht Jahre nach den ersten Erektionsstörungen einen Herzinfarkt bekommen.

Dennoch gehen Männer oft zu spät zum Arzt, oder?

Früher zehn bis 15 Jahre, heute nur noch zwei bis vier Jahre, nachdem Erektionsprobleme aufgetreten sind. Oft erwähnen sie es bei der  Vorsorge, wenn sie im Gehen sind. 

Welcher Arzt ist der richtige?

Männer mit Erektionsproblemen sollten zum Urologen oder Männerarzt gehen. Er wird ein ausführliches Gespräch führen, über Sexualität und auch über Erkrankungen, über die berufliche und familiäre Situation. Dann folgt die körperliche Untersuchung. Sie ist wichtig, um zu sehen, ob knotenartige Veränderungen etwa Kollagenablagerungen am Penis sind. Sinnvoll ist zudem eine genannte Doppel-Duplex-Sono­graphie. Sie macht sichtbar, wie viel Blut in den Penis fließt.  

Welche Medikamente haben sich bewährt? 

Es gibt vier Substanz-Gruppen, die als verschreibungspflichtige Medi­ka­mente zugelassen sind, sogenannte PDE-5-Hemmer.  Am bekanntesten ist Viagra, der Wirkstoff Sildenafil wird seit zwei Jahren aber auch in anderen Präparaten verwendet. PDE-5-Hemmer führen nach der Stimulation zur Erektion und stabilisieren sie. Zudem gibt es drei lokale Möglichkeiten: Man kann das Medikament in den Penis spritzen, es als Gel auf die Eichel auftragen und einmassieren oder als Pellet in die Harnröhre einführen. Ein Pellett ist wie ein wachsartiges, längliches Reiskorn, das sich in den Schwellkörpern auflöst. Die lokalen Methoden bewirken ebenfalls einen verstärkten Blutfluss in den Penis, indem sie die Gefäße erweitern.   Sie wirken nach  zehn bis 30 Minuten.

Wovon hängt ab, zu welchem Mittel der Urologe rät? 

Wenn sich die Nebenwirkungen der Tabletten nicht mit den Medikamenten vertragen, die der Patient gegen seine Grunderkrankung nehmen muss, wird der Urologe zu lokalen Mitteln raten. Das gilt auch, wenn der Patient gerade einen Herzinfarkt erlitt oder geschädigte Nerven hat, z.B. weil er Diabetiker ist.    

Wirken die Mittel auch ohne Stimulation? 

Lokale Hilfsmittel funktionieren ohne Stimulation. Nimmt man Tabletten ein, ohne stimuliert zu sein, ist es allerdings als ob man Mickey-Maus-Filme guckt. Da passiert nichts im Genitalbereich.  

Zahlen die Krankenkassen? 

PDE-5-Inhibitoren werden selten übernommen. Mitunter hat man als Diabetiker Glück oder nach einer Prostata-Operation.

Lesen Sie hier die Tipps der Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning bei Erektionsstörungen.

 

Artikel von christiane.fenske verfasst
Druckversion

Weitere Artikel in dieser Kategorie

Narbenbehandlung

Vom Leben gezeichnet

Narben sind bleibende Erinnerungen. Doch mit der richtigen Behandlung und Pflege kann man ihre Spuren überraschend gut verwischen

weiterlesen

Besser sehen

Die besten OPs für scharfe Sicht

Mehr als 140.000 Menschen lassen sich pro Jahr lasern. Ein harmloser Lifestyle-Eingriff ist das Augen-Tuning nicht. Wir zeigen, worauf man vor der OP achten sollte

weiterlesen

Entgiften

Jede Menge Kohle

Das uralte Heilmittel Aktivkohle feiert sein Comeback in Pizzen, Smoothies und Kosmetik. Sinnvoll oder pure Kohlemacherei? Ein Faktencheck

weiterlesen