Blutwerte

Was der Arzt anhand des Blutbildes erkennt

Leukozyten, Hämoglobin, Cholesterin. Im Labor zeigt sich, ob man gesund oder krank ist. Wir erklären, was der Arzt anhand des Blutbildes erkennen kann.

Blutwerte
thinkstock.deBlutbild

Wenn Sie wissen möchten, warum Sie sich so schlapp fühlen, Fieber haben oder woher dieser seltsame Ausschlag kommt, werden Sie beim Arzt zur Ader gelassen. Denn Blut versorgt uns nicht nur mit Sauerstoff, Nährstoffen und Wärme. Die Zusammensetzung ist ein Spiegel für viele im Körper vorgehenden Prozesse. Vieles, was sich dem Auge des Arztes entzieht, kann eine Analyse sichtbar machen. Die im Laborbericht aufgeführten Werte helfen ihm, das Problem zu erkennen und zu behandeln. Mit dem kleinen und dem großen Blutbild gibt es zwei Varianten der Untersuchung. Wichtige Details erklären wir im folgenden, wobei für Männer und Frauen verschiedene Referenzwerte gelten können.

Blutbild
»Das kleine Blutbild dient der Überprüfung der festen Bestandteile des Blutes. Dazu gehören u. a. die roten Blutkörperchen, der Farbstoff Hämoglobin sowie die Anzahl der Blutplättchen«, so Dr. Peter Schleicher, Immunologe aus München. »Das große Blutbild liefert Informationen über die weißen Blutkörperchen und den Zustand des Immunsystems.«

Blutsenkung
Die bekannteste Untersuchungsmethode ist die Blutsenkung. Das ungerinnbar gemachte Blut wird in einem Glasröhrchen aufgestellt. Dann sinken die festen Bestandteile (Zellen) allmählich ab. »Je schneller dies geschieht, desto wahrscheinlicher leidet der Patient unter einer Entzündung«, erklärt Dr. Schleicher. Die Bestimmung der Blutgerinnungsfaktoren zeigt an, ob der Körper noch selbst in der Lage ist, Wunden zu heilen.

DIESE WERTE WERDEN BEI EINER
BLUTUNTERSUCHUNG ANALYSIERT

Leukozythen

Die weißen Blutkörperchen patroullieren durch Blut- und Lymphgefäße, vernichten beschädigte Zellen, bekämpfen Bakterien,
Pilze und Viren

Zu hoch bei:
bakteriellen Infektionen, Pilz-, Parasiten- oder Wurmbefall, chronischen Erkrankungen (z. B. Bronchitis), Allergien und Krebs der blutbildenden Zellen, Allergien

Zu niedrig bei:
Virusinfektionen (z. B. Grippe), Malaria, Blutvergiftung, Autoimmunerkrankungen

Erythrozythen

Die roten Blutkörperchen liefern den Sauerstoff für alle Körperzellen

Zu hoch bei:
Flüssigkeitsmangel, chronischen Herz- und Lungenkrankheiten, Stress, Knochenmarkerkrankungen

Zu niedrig bei:
Blutarmut (Anämie), Mangelernährung (z. B. bei Vegetariern), Magen-Darmblutungen, chronischem Blutverlust

Hämoglobin

Der rote Blutfarbstoff bindet Sauerstoff in der Lunge

Zu hoch:
durch Arzneimittel gegen Epilepsie oder Trigeminus-Neuralgie (Entzündung des Gesichtsnervs), diabetische Nervenschäden

Zu niedrig bei:
Blutarmut, Medikamentenmissbrauch (z. B. Acetylsalicylsäure)

Hämatokrit

Der Wert zeigt an, wie dick- oder dünnflüssig das Blut ist

Zu hoch bei:
Lungenerkrankungen, Nierentumoren, starkem Flüssigkeitsverlust durch Durchfall/Erbrechen

Zu niedrig bei:
Blutarmut, hohem Blutverlust, teils in der Schwangerschaft

MCV

Zeigt das Verhältnis der roten Blutkörperchen zum Blutfarbstoff (Hämoglobin) an

Zu hoch bei:
Leberzirrhose, Alkoholismus

Zu niedrig bei:
Blutarmut, Eisenmangel

MCH

Gibt den Hämoglobingehalt der einzelnen Erythrozyten an

Zu hoch bei:
Vitamin-B12- oder Folsäuremangel

Zu niedrig bei:
Blutarmut, Eisen- und Kupfermangel

MCHC

Bezeichnet die Hämoglobinkonzentration der Erythrozyten

Zu hoch bei:
angeborenem Defekt der roten Blutkörperchen

Zu niedrig bei:
Blutarmut, Eisen-, Kupfer- und Vitamin-B6-Mangel

Thrombozythen

Die Blutplättchen treiben als Wundversorgungsambulanz durch den Körper, stoppen Blutungen

Zu hoch bei:
chronisch myeloischer Leukämie, Knochenmarkerkrankungen, eitrigen Infektionen, Abszessen, Stress, Tumoren mit Metastasen  

Zu niedrig bei:
chronisch lymphatischer Leukämie, Metastasen, Vitamin- C-, B12- und Folsäuremangel

RDW-CV

Zeigt an, ob sich die Erythrozyten verändert haben

Zu hoch bei:
Alkoholismus, Nieren- und Krebserkrankungen

Zu niedrig bei:
Eisen- und Vitamin-B6-Mangel, Leberzirrhose  

Natrium

Wichtig für den Flüssigkeits- und Säure-Basen-Haushalt, für Nervenimpulse und Muskelaktivität

Zu hoch bei:
Diabetes, starkem Flüssigkeitsverlust

Zu niedrig bei:
Schilddrüsenunterfunktion, Rauchern, Leberzirrhose, Herz- und Nierenschwäche, Fieber, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse  

Kalium

Wichtig für die Weiterleitung von Impulsen bei Muskeln, Nerven und Zellen

Zu hoch bei:
Erkrankungen von Niere und Nebennierenrinde, durch Medikamente (z. B. ACE-Hemmer)

Zu niedrig bei:
Magersucht, Stress, Alkoholismus, Diabetes, Herzinfarkt, Bronchialasthma

Glucose

Entsteht durch den Umbau der durch Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate in Blutzucker

Zu hoch bei:
Diabetes Typ I, Lebererkrankungen, Mukoviszidose (angeborene Stoffwechselkrankheit)

Zu niedrig bei:
Leberschäden, Alkoholismus, Magen-Darmerkrankungen

Creatinin

Eiweißbaustein, der während der Muskelarbeit entsteht

Zu hoch bei:
Nierenerkrankungen, Herzschwäche, Allergien

Zu niedrig bei:
Diabetes, Abnahme der Muskelmasse, Schwangerschaft

GOT (AST)

Eiweißstoff, der in Herz- und Skelettmuskeln sowie in der Leber vorkommt

Zu hoch bei:
Leberentzündung, Leberzirrhose, Herzinfarkt

Zu niedrig:
keine Gefahr

GPT (ALT)

Leberspezifischer Eiweißstoff

Zu hoch:
akute Gelbsucht, Leberschäden, Alkoholmissbrauch

Zu niedrig:
keine Gefahr  

gamma-GT

In Leber und Gallengängen gebildeter Eiweißstoff. Marker für Leberbelastungen

Zu hoch bei:
Gallensteinen, Gelbsucht, Leberzirrhose oder -tumoren, Fettleber, entzündeter Bauchspeicheldrüse

Zu niedrig:
keine Gefahr

Alkalische Phosphatase

In Leber, Knochen und Nieren gebildete Stoffe. Marker für Leber- und Knochenveränderungen  

Zu hoch bei:
Lebererkrankungen, alkoholbedingter Gelbsucht, Virushepatitis, Gallensteinen, Knochenerkrankungen

Zu niedrig:
keine Gefahr

Harnsäure

Endprodukt beim Abbau von Purinen. Purine kommen in jeder Zelle und in der Nahrung vor

Zu hoch bei:
akutem Nierenversagen, Austrocknung (nach Durchfall/Erbrechen), Harnwegsverschlüssen, zu eiweißhaltiger Ernährung. Die Folge können Gichtanfälle sein

Zu niedrig bei:
schweren Lebererkrankungen, zu eiweißarmer Kost  

CRP

In der Leber gebildeter Eiweißstoff, der sich an der Immunabwehr beteiligt. Wird zunehmend als Risikofaktor für Arteriosklerose und Herzinfarkt diskutiert

Zu hoch bei:
Arthritis (eine Form des Rheumas), bakteriellen Entzündungen, entzündlichen Darmerkrankungen

Zu niedrig:
keine Gefahr

Cholesterin

Das gesamte in den verschiedenen Lipoproteinen (Fettstoffen) vorkommende Cholesterin. Ausgangsstoff für die Bildung von Hormonen  

Zu hoch bei:
Fettstoffwechselstörungen, schlecht eingestelltem Diabetes, chronischen Leber-, Gallen- und Nierenerkrankungen

Zu niedrig bei:
Schilddrüsenüberfunktion, Lebererkrankungen, fettarmer Ernährung  

Triglyceride

Aus Fettzellen bestehender Brennstoff, aus dem die Körperzellen Energie gewinnen  

Zu hoch bei:
Fettstoffwechselstörungen, Fettsucht, Diabetes, Nieren- und Lebererkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion, Gicht, Alkoholmissbrauch

Zu niedrig bei:
Schilddrüsenüberfunktion, Auszehrung wegen Durchfall, chronischer Darmerkrankung oder Krebs

HDL

Das »gute« Cholesterin reinigt die Gefäße und bringt die »Abfälle« zur Leber, wo sie abgebaut werden

Zu hoch:
Wichtiger Faktor, der vor Arteriosklerose und Erkrankungen der Herzkranzgefäße schützt

Zu niedrig:
Möglicherweise Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße

LDL

Der Volksmund spricht auch vom »schlechten« Cholesterin. Es lagert sich an den Gefäßwänden ab. Auf Dauer drohen Arteriosklerose und Herzinfarkt

Zu hoch:
durch hormonelles Ungleichgewicht, Bewegungsmangel, fettreiches Essen, schlecht eingestellten Diabetes.

Zu niedrig bei:
Magersucht, Lebererkrankungen

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