Nur jeder zehnte Patient ist in Behandlung

Was ist eigentlich Rosacea?

Weltweit leiden 40 Millionen Menschen unter einer entzündlichen Krankheit des Gesichtsbereiches. Prof. Dirschka erklärt, wie man sie in Schach halten kann.

Aktiv gegen Rosacea

Prof. Thomas Dirschka leitet die Centroderm Klinik Wuppertal. Nach dem Medizinstudium forschte er in den USA, spezialisierte sich dann auf die Vorbeugung und Behandlung entzündlicher Hautkrankheiten

Auslöser. Sonne, Essen, Kosmetik, Wetter, Sport und auch die psychische Verfassung können sich auf die Haut auswirken – bei Rosacea-Patienten tun sie das besonders. Oft verschlim-mern sie die Rötungen und Entzündungen. Deshalb ist es wichtig herauszu-finden, worauf man reagiert. Dann kann man seinen Le-bensstil anpassen, helfen kann dabei ein Tagebuch. Personen mit heller Haut haben übrigens ein erhöhtes Risiko, an Rosacea zu erkranken.

Test. Mit Rosacea gehen oft eine Schwellung und ein anhaltendes Hitzegefühl einher. Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann können Sie unter www.rosacea-info.de/schnelltest einen ersten Selbsttest machen, um heraus-zufinden, ob Sie betroffen sind. Eine richtige Diagnose kann aber nur ein Hautarzt stellen. 

Herr Professor Dirschka, ein rotes Gesicht ist das typische Symptom von Rosacea. Die meisten Patienten empfinden die Röte als äußerst unangenehm. Was verbirgt sich hinter der Krankheit, an der allein in Deutschland vier Millionen Menschen leiden?

Es handelt sich um eine entzündliche Krankheit des Gesichtsbereiches. Früher nannte man die Rosacea auch Altersakne. Das ist aber nicht korrekt, weil sie ein eigenständiges Krankheitsbild ist, das überwiegend Menschen im mittleren Lebensalter trifft.  

Mit welchen Beschwerden kommen Patienten zu Ihnen? 

Rosacea ist in der Bevölkerung eigentlich nicht bekannt. Viele Patienten glauben, sie haben eine Akne oder Allergie oder meinen, eine Kosmetik nicht zu vertragen. Die wenigsten kennen Rosacea. 

Woran genau erkennt man die Krankheit?  

Wir unterscheiden drei Krankheitsbilder. Am weitesten verbreitet sind Rötungen im Gesicht, zum Teil mit großen, sichtbaren Blutgefäßen. Ein anderes Stadium ist die entzündliche Form, Rosacea papulopustulosa genannt. Charakteristisch dafür sind kleine, entzündliche Knötchen, Papeln oder Pusteln an Nase, Stirn und den Wangen. Das sind die klassischen Stellen. Die Haut ist dann sehr rot. Seltener, aber sehr auffällig, ist die dritte Form, die Knollennasenbildung, bei der das Bindegewebe an Nase oder Kinn vermehrt wuchert. Bei den meisten Patienten zeigt sich nur eines dieser Krankheitsbilder. Es gibt aber auch Patienten, die alle drei Formen durchlaufen. Es beginnt mit Rötungen, die stärker und schließlich zu entzündlichen Knötchen werden. 

Wodurch wird Rosacea ausgelöst? 

Wir wissen erst seit einigen Jahren, welche Mechanismen in der Haut nicht funktionieren. Offenbar arbeitet ein entzündungshemmendes Protein, Cathelicidin genannt, nicht richtig. Dadurch überreagiert die Haut auf viele Reize und entzündet sich. 

Welche Reize sind das?

Die Auswahl ist groß und von Patient zu Patient unterschiedlich. Oft ist es Sonne. Es wirken aber auch bestimmte Lebensmittel oder Stress. 

Was kann man tun?  

Leider kann man Rosacea nicht heilen, sondern nur kontrollieren. Inzwischen gibt es aber wirksame Medikamente, mit denen man die Symptome lindern kann. Allerdings ist es eine Erkrankung, die dauerhaft behandelt werden muss.  

Wie sieht die Therapie aus? 

Sehr große, sichtbare Blutgefäße kann man mit einem Laser zerstören. Das geht sehr gut. Bei der häufigsten Variante gehen die Rötungen von sehr kleinen Gefäßen aus, die man nicht sehen kann. Sie lassen sich nicht weglasern, man muss sie mit Gel behandeln. Die Mittel werden morgens aufgetragen und wirken zwölf Stunden. Man kann darüber auch Kosmetik verwenden. Das Gel bewirkt, dass sich die kleinen, nicht sichtbaren Gefäße zusammenziehen, dadurch werden sie enger und die Haut insgesamt blasser.  

Übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten?

Für die konventionelle Therapie ja, für die Laser-Behandlung leider nicht. Dafür zahlt man zwischen 50 und 150 Euro. Weil die Behandlung aber sehr effektiv ist, nehmen die meisten Patienten das in Kauf. 

Wie bekommt man die Entzündung in den Griff? 

Hier helfen Antibiotika. Interessanterweise nicht, um damit Bakterien zu bekämpfen, denn die spielen bei Rosacea keine Rolle. Aber Antibiotika aus der Gruppe der Tetracycline und Doxycycline hemmen die Entzündung. Bei schweren Schüben nimmt man sie sechs Wochen in Tablettenform. Das bringt deutliche Verbesserungen. Weil das Antibiotikum in dem Fall – anders als bei Infektionskrankheiten – nur sehr niedrig dosiert wird, gibt es keine Nebenwirkungen. Sobald die Entzündung zurückgeht, wechselt man auf die äußere Anwendung mit Gel oder Creme. Die entzündlichen Schübe kommen aber immer wieder.  

Kann man auch etwas gegen die Knollennase unternehmen?  

Die muss chirurgisch oder mit dem Laser behandelt werden. Das kann nur ein spezialisierter Hautchirurg. Er trägt mit einem Kohlendioxid-Laser oder Skalpell Wucherungen ab. Die Knollennase bekommen übrigens nur Männer. Warum das so ist, weiß niemand.  

Sind Frauen und Männer gleichermaßen von Rosacea betroffen? 

Frauen erkranken häufiger als Männer, etwa im Verhältnis 60 zu 40 Prozent. Auch die Symptome unterscheiden sich mitunter. Die Form mit  kleinen, entzündlichen Knötchen im Gesichtsbereich bekommen fast nur Frauen.

Warum ist es wichtig, Rosacea zu behandeln, wenn man sie doch nicht bekämpfen kann? 

Da sich die Krankheit im Gesicht zeigt, ist das stark stigmatisierend. Patienten halten sich lange Zeit damit auf, die Rötungen abzudecken. Sie meiden Augenkontakt, schränken ihre Sozialkontakte ein. Bei manchen Patienten ist sogar eine psychische Begleitung notwendig, weil das Selbstbewusstsein schwer angeschlagen ist. Um so wichtiger ist es für die Betroffenen, eine Diagnose zu haben. Das gibt einem das Gefühl, etwas dagegen tun  zu können.  

Gibt es Hoffnung auf Heilung? 

Verschiedene Medikamente haben die klinische Entwicklung abgeschlossen und stehen kurz vor der Zulassung. Im nächsten Jahr wird es neue Arzneien geben, die aus der Tropenmedizin kommen und sehr gut gegen die Entzündungen wirken. Ich bin zuversichtlich. 

 

Artikel von christiane.fenske verfasst
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