Grill-Test

Alles auf Kohle

Gute Röstaromen und Lagerfeuerromantik – die meisten Grillfreunde setzen auf Kohle. Was aktuelle Kugel- und Tischgrills leisten, zeigt unser Vergleich

Raucharm und in vier Minuten volle Glut? Grillprofi Norbert Blaschke ist skeptisch, ob er der Werbung für zwei Tischgrills glauben soll. Holz­kohle glüht mit Anzünder normalerweise erst nach 20 bis 25 Minuten, so der 62-jährige ausgebildete Grilltrainer mit eigener Grillschule (vfb-elisenau.de). Doch kurze Zeit später – die Paste unter dem Kohlekorb brennt, eine batteriebetriebene Lüftung facht die Glut an – sind die Modelle von Lotus und Florabest grillbereit. Und Blaschke staunt: »Das geht ja wirklich ruck, zuck.« Für die Handhabung gab es da schon mal gute Noten der Jury.

Test. Drei Tischgrills für den Balkon und vier Kugelgrills für Terrasse und Garten waren in der Wertung. Die Modelle von 40 bis 300 Euro markieren die Einsteigerklasse bei Kohlegrills. Diese sind – mit großem Abstand vor Gas und Elektro – die beliebteste Grillvariante. Kohlefans schätzen die Röstaromen beim Brutzeln über offener Glut und die Lagerfeuerromantik. Was also taugen die aktuellen Modelle?

Jury. Bei leichtem Wind und kühlen 14 Grad bewertete die Jury mit Norbert Blaschke, dem Autor sowie dem Foto­grafen und Hobbygriller Michael Handelmann Handhabung und Grillen zu je 30 und 70 Prozent. Auf den Rost kamen Nackensteaks und Thüringer, gefüllte Paprika, Zucchini und Pilze.

Zu heißer Regler, wacklige Haube

Dann hieß es Feuer frei. Landmanns Kepler 600 hatte schon nach etwa 20 Minuten, die anderen Kugelgrills wenig später volle Glut. Bei Dancooks 1400 verbrannten wir uns gleich mal die Finger, weil der Regler für die Abluft nicht wärmeisoliert war. Der Edelstahlgrill hatte auch keine Kohlekörbe dabei. Damit ließen sich bei den anderen Modellen Zonen für direkte Hitze zum Anbraten und indirekte Hitze für das Garen bequemer einrichten. Die Haube sorgt für einen Backofeneffekt, mit dem auch ein dicker Braten langsam garen kann, saftig und zart bleibt. Bei den Tischgeräten ohne Deckel waren die Grillmöglichkeiten deutlich eingeschränkter.

Schwächen. Alle Grills standen sicher. Landmanns Kepler verlor allerdings beim Schieben über den (unebenen) Rasen gleich mal den wackligen Deckel. Solider zeigten sich da insbesondere Weber und Rösles No. 1, der mit Gummibereifung und bester Verarbeitung überzeugte.

Bequem. Als einziger Grill hat Rösle auch eine Haube mit Scharnier. Die lässt sich beim Grillen bequem auf- und zuklappen, während die Deckel bei Landmann oder Dancook umständlich per Haken an der Unterschale eingehängt werden. Bei Rösle und Weber gefiel auch die gut erkennbare Temperatursteuerung mit Zuluftregler, der bei Dancook fehlte.

Zartes Fleisch, gute Röstaromen

Sehr schön gebräunte Thüringer, saftiges Fleisch und gut durchgegarte Paprikaschoten – mit Rösle grillte es sich im Test am besten. Gute Ergebnisse und Röstaromen lieferten auch Weber und Landmann, dessen Modell als einziges einen gusseisernen Rost hat. Der speichert und leitet die Wärme besser als Edelstahlroste, die dafür etwas leichter zu reinigen sind.

Tischgrill. Bei den Tischgrills ohne Haube gelangen dicke Thüringer nicht so gut, hohe Paprikaschoten garten gar nicht durch. Die Testgeräte eigneten sich eher für Gargut bis etwa 2,5 Zentimeter Dicke. Gut funktionierte bei Lotus und Florabest die Abschirmung gegen Fettbrand und Rauch durch eine geschlossene Kohlekammer. Darüber wird der Rost sehr heiß. Die Zone eignet sich zum Anbraten, daneben wird über indirekter Hitze gegart. Nachteil: keine sichtbare Glut.

Rost. Die Kugelgrills waren mit Rostgrößen von 50 bis 60 Zentimetern fami­lien­­tauglich (vier bis sechs Personen). Bei der Werbung für den Lotusgrill XL (»für bis zu zehn Personen«) musste Blaschke kurz lachen: »Realistisch sind wohl eher vier.«

Grillsünden. Beim Einsatz am Rost sollten Grilleure dann typische Sünden vermeiden: Paraffinhaltige Anzünder oder Spiritus verderben den Geschmack. Das Ablöschen mit Bier wirbelt nur Asche auf das Gargut. Und wer beim Wenden ins Fleisch sticht, verliert Saft und verursacht Fettbrand. Profigriller Blaschke rät zum indirekten Grillen über einer Auffangschale mit Wasser. »Das verhindert Fettbrand, Fleisch gart langsamer und bleibt bei trockener Kohlehitze saftiger.«

Testsieg. Insgesamt grillte es sich mit Rösle am besten. Florabest hatte das ­beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Und Eva Solo bot zwar nur direkte Hitze, machte am Tisch aber in den Augen der Jury die beste Figur.

Extratipp: Kohle, Anzünder & Co.

Holzkohle brennt schneller an als Briketts, hält aber die Glut (im Test: rund 45 bis 60 Minuten) nur etwa halb so lange. Beim Kauf sollte man auf ein DIN-Siegel achten, das Qualität garantiert: überwiegend Buchen- und kein Tropenholz, weniger Anteile harzhaltiger Hölzer (Schwefel im Rauch) oder schwer entflammbaren Kohlestaub.

Anzünder Auf Spiritus oder paraffinhaltige Anzünder besser verzichten. Sie beeinträchtigen den Geschmack des Garguts. Im Test verwendeten wir Anzündwürfel (Profagus), mit denen die Kohle schnell grillbereit war. Viele Grillfreunde nutzen bei Briketts einen Anzündkamin – das geht schnell und sauber.

Glut Grillbereite Glut zeigt eine weiße Ascheschicht. Man kann die Hand nicht länger als drei Sekunden über den Rost halten.

Wahl Im Test verwendeten wir Buchenholzkohle von Profagus (Der Sommerhit, 10 kg, 19,99 €, Obi), die schnell und gut glühte. Die belüfteten Tischgrills waren mit feiner gestückelter Kohle von Lotus (2,5 kg, 7,90 €, Bauhaus) leichter befüllbar.

 

Autor: Matthias Ohnsmann
Erstellt am 20.06.18

Artikel von Gast verfasst
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