Urlaubstrends 2019

Hier liegen Sie richtig

Der Reisesommer 2019 ist vielversprechend. Mit vielen neuen Ideen und Konzepten überraschen Pauschalreiseveranstalter

Besitzergreifend und einprägsam: »Mein Zimmer« oder »Meine Sonnenliege«. So wird in den bunten Reisekatalogen auf den neuesten Urlaubstrend aufmerksam gemacht. Gemeint sind Dienstleistungen, die man noch vor der Abreise zum Pauschalurlaub dazubuchen kann. Und es hört sich ja auch ganz prima an, wenn Urlaubern ermöglicht werden soll, die schnöde Reise von der Stange zu einem ganz individuellen Reiseerlebnis aufzupeppen.

Das Konzept ist allerdings nicht neu. Die Billigflieger haben vor­gemacht, wie es geht. Schon seit Jahren verkaufen sie erfolgreich Zusatzleistungen, wie die Gepäckaufgabe oder eine Sitzplatzreservierung. Allein die zehn größten Fluggesellschaften haben letztes Jahr nur mit solchen Zusatzleistungen rund 26 Milliarden Euro extra eingenommen. Offenbar soll dasselbe Rezept nun auch den Veranstaltern zusätzliche Einnahmen bescheren. Neben klassischen ­Extras wie Ausflügen bieten sie deshalb immer mehr Zusatzleistungen an.

Zimmer. Bei Thomas Cook, Öger Tours und Neckermann Reisen, den drei Veranstaltermarken der Thomas-Cook-Gruppe, kann sich der Kunde »sein« Zimmer in­nerhalb der gebuchten Kategorie selbst aussuchen und reservieren. Neuerdings ist dieser Service in 150 Hotels verfügbar, und die Kosten liegen bei 30 Euro pro Aufenthalt.

Sonnenliegen. Selbst die Sonnenliege am besten Platz können Urlauber vorbestellen. Die Thomas-Cook-Gruppe macht’s möglich. Allerdings wird dieser Zusatz­service bisher nur für 13 Hotels angeboten. Die Kosten liegen bei 25 Euro pro
Aufenthalt und Sonnenliege. Mehr Hotels sollen bald folgen.

Transfer. Zwar ist der Bustransfer vom Flughafen zum Hotel im Pauschal­reisepreis enthalten. Doch schneller und weniger ermüdend wird man im Privattransfer zum Hotel kutschiert. Auf der ­Insel Kreta haben beispielsweise ITS und Jahn Reisen solche Privattransfers im Angebot. Je nach Flughafen und Zielort kostet der Transfer zwischen 15 und 190 Euro pro Wagen und Strecke. Auch andere Veranstalter, wie etwa TUI, haben individu­elle Transfers im Portfolio.

Late Check-out. Ein späteres Verlassen des Zimmers am Abreisetag ist mit einem Late-Check-out-Service von Thomas Cook möglich. Dieser Service wird im Sommer 2019 ganz neu in mehr als 50 Hotels in Spa­nien, Griechenland und der Türkei an­geboten.

Realitätscheck. Den Geschmack der Urlauber scheinen die neuen Services noch nicht zu treffen. So nutzen bisher nur sechs Prozent der Gäste den Son­nenliegen-Service und nur 16 Prozent das Zimmerwunsch-Angebot. Der geringe Zuspruch mag bei einigen Angeboten schlichtweg am Preis liegen. Etwa für den Privattransfer. Eine einfache Fahrt für bis zu drei Personen vom Flughafen Chania (Kreta) nach Rethymnon soll bei Jahn Reisen 190 Euro pro Strecke kosten. Beim Anbieter Shuttle Direct gibt es den Transfer für schlappe 82 Euro.

Familien im Fokus

Der zweite Trend: Urlaubsangebote immer ausgeklügelter auf bestimmte Zielgruppen zuzuschneiden. Dazu gehören im Sommer 2019 neben Familien auch Lifestyle-Kunden und erstmals Menschen mit einer Behinderung.

Familien. Einfach nur einen Kinderclub im Hotel anzubieten war gestern. Dadurch unterscheiden sich die Veranstalter längst nicht mehr voneinander. Deshalb versuchen Reiseanbieter, neue Produktideen in den Fokus zu stellen.

Flugpaket. Eine dieser Ideen hat Neckermann Reisen mit seinem Familien-Flugpaket aufgelegt. Bucht eine Familie mit einem Kind unter 15 Jahren bei Neckermann bis zum Stichtag 31. Januar 2019 eine Flugpauschalreise mit dem Ferienflieger Condor, ist außer den Sitzplatzreservierungen auch die Bordverpflegung für die gesamte Familie kostenlos. Allein mit den Sitzplatzreservierungen spart eine dreiköpfige Familie zwischen 60 und 78 Euro. Dieser Service gilt jedoch nicht für Fernreiseziele.

Kinder. Da Familien nur während der teuren Ferienzeiten gemeinsam verreisen können, hat Alltours für den Sommer 2019 das Angebot »Kinder wohnen gratis« ­erheblich ausgebaut. In den bei Familien beliebten Urlaubsgebieten Ägypten, Bulgarien, Tunesien und Türkei wird das Kind in 90 Prozent der Alltours-Hotels ­kostenlos untergebracht und verpflegt – für den Nachwuchs wird nur das Flug­ticket berechnet. In vielen Alltours-Häusern gilt dieses Angebot sogar auch für das zweite Kind.

Neue Hotelkonzepte

Stark umworben wird die Zielgruppe der 20- bis 40-jährigen Urlauber. Ihnen wird eine hohe Affinität zu schickem Design, gesundem Essen oder dem totalen ­Internet-Vernetztsein zugesprochen. Aus diesem Grund haben Veranstalter neue Konzepte aus der Taufe gehoben, die nicht nur zusätzliche Services anbieten, sondern auch die klassischen Hotelangebote entsprechend ausrichten.

Airbnb. Den Kampf um Airbnb-Gäste nimmt der Veranstalter FTI mit seiner neuen Trend-Hotelmarke Lemon & Soul auf. Dabei handelt es sich um eine preisgünstige Hotelmarke, die sich dem Dreiklang aus modernem Design, trendigem Service und Strandnähe verschrieben hat. Ungewöhnlich ist etwa das weite Spektrum von Verpflegungsarten mit praktisch allen Stufen von Selbstversorgung bis hin zu All-inclusive. Für den Sommer werden erstmalig zwei »Lemon & Soul«-Hotels buchbar sein (Fuerteventura und Ägypten).

Ambiente. Ebenfalls auf ein zeitge­mäßes Ambiente setzt Thomas Cook mit seinen Cook’s Clubs. Auch diese richten sich eher an preisbewusste Urlauber, die sich ein trendiges Ambiente und kleinere Hotelanlagen mit Erlebnischarakter wünschen. Im Sommer werden neun Cook’s Clubs buchbar sein.

Handicap. Eine gänzlich neue Zielgruppe, nämlich die über zehn Millionen Menschen mit einem Handicap, rückt ebenfalls in den Fokus. Der Türkei- und Orientspezialist Öger Tours hat eine Broschüre zum Thema barrierefreies Reisen mit geeig­neten Hotels in Ägypten und der Türkei aufgelegt. Neckermann Reisen hat einen brandneuen Prospekt mit barrierefreien Hotels auf Mallorca publiziert. Und die Reederei Costa bietet erstmalig in jedem Hafen, den das Schiff »Costa Diadema« anläuft, für mobilitätseingeschränkte Gäste konzipierte Touren an. Bereits diese drei Angebote vereinfachen die Buchung einer barrierefreien Pauschalreise oder Kreuzfahrt im Reisebüro enorm. Von der schlagartigen Erweiterung des Angebots bar­rierefreier Reisen ganz zu schweigen.

Preise und Prozente

Der dritte Trend sind die Bemühungen der Veranstalter, preissensible Urlauber zum Buchen einer Reise zu bewegen. Dabei schlagen die führenden Veranstalter ganz unterschiedliche Strategien ein.

Clubmarke. Tui verbucht in seinen Robinson Clubs in der Premium-Kategorie und mit den Magic Life Clubs im All-in­clusive-Segment eine konstant hohe Nachfrage. Doch in der günstigsten Kategorie konnte der Branchenprimus bisher wenig bieten. Diese Lücke sollen die Suneo Clubs füllen, die man von der eingestellten Veranstaltermarke 1-2-Fly übernommen hat. Im Sommer gibt es den All-inclusive-Club­urlaub in einem der acht Tui Suneo Clubs bereits ab unter 500 Euro pro Person im Doppelzimmer.

Last Minute. Eigentlich sind alle Reiseveranstalter bemüht, Urlauber mit attraktiven Preisen von Last-minute-Reisen wegzulocken. Schließlich sind die Gewinnmargen bei Last-minute für Veranstalter minimal. Selbiges gilt in puncto Planungssicherheit. Daher werden nun die unterschiedlichsten Ermäßigungen über immer weitere Zeiträume gestreckt.

Rabatte. Die bekannteste Form der Ermäßigung ist der Frühbucherrabatt. Allerdings können bei Weitem nicht alle Urlauber so weit vorab planen. Für sie werden die »Frühbucher«-Fristen drastisch verlängert. Wenn es sein muss, bis zur unfreiwilligen Komik. So gewährt FTI einen Frühbucherrabatt von bis zu 47 Prozent für das Hotel Atlantis The Palm in Dubai. Diese Ermäßigung wird bis zum 31.10.2019 gewährt, dem offiziellen Saisonende.

Wetten. FTI ist allerdings kein Einzelfall, denn auch andere Veranstalter, wie Schauinsland Reisen, locken mit Preisnachlässen, die eigentlich »Spätbucherrabatte« heißen müssten. So zum Beispiel für das Hotel Heritance Ahungalla auf
Sri Lanka. Bei Buchung bis 30 Tage vor Anreise erhält man die Ermäßigung von 30 Prozent. Fraglich bleibt, ob mit solchen Rabatten eine echte Alternative zu Last-minute-Reisen geschaffen wird. Denn der beste »Spätbucherrabatt« nützt nichts, wenn das Hotel zur Wunschsaison aus­gebucht ist. Spätbucherrabatte sind daher für die Urlauber nichts anderes als Wetten auf die Buchungsentwicklung. Wie Last-minute-Reisen auch.

 

Flug-Chaos: Hier gibt’s Geld zurück

Verspätungen und Flugausfälle trafen Reisende zuletzt hart. Allein Lufthansa hat 2018 über 18.000 Flüge gestrichen. Doch Passagiere haben je nach Grund der Flugabsage Ansprüche auf Ausgleichszahlungen. Ganz gleich, ob es sich um einen Flug im Rahmen einer Pauschalreise oder einen selbst gebuchten Flug handelt. Je nach Flugstrecke und Höhe der Verspätung können 250 bis 600 Euro pro Passagier fällig sein. Passagiere müssen die Ausgleichszahlung bei der Airline beantragen. Das können betroffene Urlauber entweder selbst vornehmen, oder sie wenden sich an ein kostenpflichtiges Fluggastrechteportal (z. B. www.fairplane.de, www.flightright.de). Im Erfolgsfall verlangen diese zwischen 20 und 30 Prozent. Blockt die Airline, hilft die Schlichtungsstelle für den öffent­lichen Personenverkehr (www.soep-online.de) oder die Schlichtungsstelle Luftverkehr (www.bundesjustizamt.de), die beim Justizministerium ange­siedelt ist, weiter.

 

Text erstellt am 08.01.2019

Artikel von Gast verfasst
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