Test: Thermomix, CookingChef und SuperCook

Stößt die Konkurrenz den Thermomix vom Thron?

Auch ohne Werbung verkauft sich der »Thermomix TM5« wie geschnitten Brot. Klar, dass die Konkurrenz mitziehen will. Wir haben ihn und zwei andere Modelle getestet.

Täglich frisch und gesund kochen – das stand sicher auf vielen Vorsatz-Listen für 2015. Im Alltag mangelt es aber oft an Zeit und Lust. Auch deshalb erobern Küchenmaschinen die Arbeitsplatten der Nation. Randvoll mit Hightech sind sie längst mehr als teure Rührgeräte.

KOCHEN 2.0

Ob Dampfgaren, Induktionskochen, Kneten, Mixen, Wiegen oder Häckseln – die modernen Geräte können alles. Statt für Kartoffeln, Königsberger Klopse, Kapernsoße und Mousse au Chocolat mit Töpfen und Pfannen zu klappern, kocht man alle Gänge mit einem einzigen Gerät in wenigen Minuten. Die Wärme des aufsteigenden Dampfes beim Kartoffelkochen gart die Hackbällchen. Aus dem Kochsud rühren die Maschinen in nur fünf Minuten würzige Soßen. Das ist kinderleicht und gelingt selbst blutigen Anfängern aus dem Stand.

PLATZHIRSCH

Trotz stolzer 1.100 Euro schart Vorwerk eine gigantische Fangemeinde um seinen »Thermomix TM5«. Eine Armee von Marken-Repräsentanten vertreibt die Geräte beim sogenannten Eventkochen direkt am Kunden. Das Konzept geht auf: Ohne TV-Werbung oder Einzelhandel verkauft sich der »TM5« in 50 Ländern und bescherte dem Unternehmen bisher 800 Millionen Euro Umsatz. Klar, dass die Konkurrenz auch ein Stück vom Kuchen will. Mit Extras, wie einem aufsteckbaren Fleischwolf oder Rezepten für Haustiere, versuchen sie zu punkten. Wir haben den günstigen »SuperCook SC110« von Plawa und den luxuriösen »Cooking Chef KM096« gegen den »TM5« in den Koch-Ring geschickt. 

SPARMODELL VON PLAWA 

Der »SuperCook SC110« von Plawa ist mit rund 700 Euro das günstigste Gerät im Test. Arbeitsweise und Design orientieren sich stark am »Thermomix«: Spatel, Garsieb, Rührbesen sind nahezu identisch.

REZEPT-CHIP

Das Gerät hat ein digitales Bedienmodul in Smartphone-Optik namens »Yumi«. Über ein farbiges Display gibt es mithilfe eingespeicherter Rezepte Schritt-für-Schritt-Anweisungen wie »Jetzt Mehl hinzufügen«. »Guided Cooking« (angeleitetes Kochen) heißt das und fühlt sich wie Zukunft an.

MANGELWARE

Doch trotz Anleitungen für Hundekuchen und Katzenfutter ist die Zahl der »Yumi«-Rezepte überschaubar. Für Königsberger Klopse und Mousse au Chocolat mussten Anleitungen aus dem Internet runtergeladen werden. Der »SuperCook« scheint nicht bis ins letzte Detail durchdacht zu sein. Im Internet finden sich dann aber an die 200 Rezepte zum kostenlosen Download.

NERVIG So wurden zwar zu Beginn des Kochens Mengenangaben angezeigt, bei den einzelnen Arbeitsschritten jedoch nicht. Wer kein fotografi sches Gedächtnis hat, muss also zum Anfangsbild zurück und die Zahlen abschreiben oder Zutaten direkt auf der Plawa-Küchenwaage abwiegen. Der Deckel ist schwergängig. Aber nachdem wir ihn mit ein bisschen Speiseöl eingerieben hatten, klemmte er nicht mehr. Das Garsieb mit den heißen Kartoffeln fiel allerdings immer wieder aus dem Haken und musste mit den Fingern aus dem Topf gefummelt werden. Im Dampfgarer sammelte sich viel heißes Wasser – Verbrühungsgefahr!

ERGEBNIS

Die Hackbällchen waren fest und würzig. Die Kartoffeln gar. Die Soße hätte dicker sein können. Das Schmelzen der Schokolade für die Mousse au Chocolat gelang, der Eischnee stellte den »SuperCook« aber vor Probleme. 

INTELLIGENTER THERMOMIX

Der »Thermomix« sieht schick aus, die Einzelteile wirken hochwertig. Der Aufbau ist einfach: Kochtopf mit Schneidwerk in die Halterung, Deckel drauf, Stecker rein, fertig. Auch der »TM5« lockt mit »Guided Cooking«-Funktion. Sein Koch-Chip hat 200 Rezepte gespeichert. Im Internet gibt es massenhaft Erweiterungen. 

KINDERLEICHT

Jeder Arbeitsschritt ist auf dem Touchscreen beschrieben und zeigt die Mengenangaben an. Besonders praktisch: die integrierte Waage, die Zutaten beim Einfüllen abwiegt. Damit kommt jeder ans Ziel. Einzige Schwäche: Die Berührungsfelder auf dem Display sind klein und reagieren oft verzögert. 

SCHNELL UND GUT

Nach 25 Minuten sind die Kartoffeln im Topf und die Klopse im Dampfgarer punktgenau fertig. Kein Rühren, kein Wenden. Während des Kochens konnten sorglos andere Arbeiten erledigt werden. Das Mousse au Chocolat braucht nur 20 Minuten (plus vier Stunden Kühlzeit). Alle Speisen kamen bei den vier Testessern gut an. 

SCHWERGEWICHT COOKING CHEF 

Das Gerät wiegt fast 14 Kilogramm. Der Kochtopf kann drei Kilogramm Teig oder sechs Liter Flüssigkeit verarbeiten. Alle 50 Anbauteile sind robust. Größter Unterschied zur Konkurrenz: Das Rührelement sitzt nicht am Topf-Boden, sondern hängt von oben ein. BUCH Kenwood verzichtet auf digitale Rezepte. Der Koch muss im Buch blättern. Doch das verspricht anspruchsvolle Küche. Statt Hackfleisch wird frisches Kalbsfl eisch mit Ei, Senf und Sardellen im aufsteckbaren Mixer zerkleinert. Das Fleichbrät gart im Kochtopf. 

FLUCH UND SEGEN 

Dutzende Aufsätze, Mix-Töpfe und ausgefallene Helfer wie Nudelpresse, Fleischwolf oder Getreidemühle wirken erdrückend. Wer die 50 Anbauteile nutzen will, muss Platz im Küchenschrank haben und lernen, mit den ganzen Extras umzugehen. So brauchten wir für die Mousse zwar nur den Schneebesen, der aber erst mit einem Schraubenschlüssel justiert werden musste, ehe er Eischnee perfekt schlagen konnte. 

VORWERK SIEGT EINDEUTIG 

Alle Geräte sind interessant für Menschen, die sich in der Küche Arbeit sparen oder nach Feierabend noch frisch kochen wollen. Der »Thermomix TM5« ist klarer Testsieger: Perfekt für alle Hobby-Köche, die einfache Speisen schnell und sicher zubereiten möchten. Der »SuperCook« hingegen offenbart zu viele Schwächen, die auch durch den günstigen Preis nicht kompensiert werden. Die stärkste Leistung und die vielfältigsten Möglichkeiten liefert der »Cooking Chef«. Doch Preis und Komplexität kosten Punkte.  

Bild des Benutzers Sebastian Schellschmidt
Artikel von Sebastian Schellschmidt verfasst
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