Wetter Apps im Guter Rat Test

Kann man mobilen Wetterfröschen trauen?

Wetter-Apps gibt es viele, konkrete Vorhersagen für Sonne oder Regen machen aber nur wenige. Und noch weniger liegen häufig richtig. Wir haben vier getestet.

Ob es morgen regnet oder die Sonne scheint, das sollte ein Blick aufs Smartphone klären. Doch während eine Wetterapp mittags blauen Himmel prophezeit, warnt die andere vor Gewitter und Starkregen. Höchste Zeit, die Prognosen der Wetterdienste mal zu überprüfen. 

Guter Rat hat dazu vier Wetter-Apps der Oberklasse ausgewählt. Sie nutzen teure Globalvorhersagen staatlicher Wetterbehörden und liefern konkrete Sonnen- und Regenprognosen. Im Testfeld musste sich die meistgenutzte deutsche App Wetter.com, deren Prognosen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) eingekauft werden, drei Herausforderern stellen: WeatherPro vom größten privaten Wetterdienst Europas sowie Wetter.de und Wetteronline.de

Test Rund drei Wochen lang haben wir im Juni für vier Städte die Prognosen notiert und dann mit den tatsächlichen Messwerten des DWD verglichen. Diplom-Meteorologe Thomas Dümmel, der an der Berliner Freien Universität (FU) den Bereich meteorologische Informationssysteme leitet, wertete die Daten aus. Er ermittelte die Standardabweichung der Prognosefehler – ein statistisches Maß für die Güte der Vorhersagen – bei den Temperaturen und der Sonnenscheindauer sowie die Trefferquoten bei Regen. Zu den Ergebnissen geht es hier. 

Das Wetter Pi mal Daumen ... 

Bei den Prognosen für den Folgetag lagen die Dienste schon mal um gut sechs Grad daneben, bei der Fünf-Tages-Vorausschau waren es sogar bis zu elf Grad. Meist betrugen die Abweichungen aber nur ein bis zwei Grad, zumindest bei den besten Temperaturprognosen von Wetter.com. Sehr gute Ergebnisse also, verglichen mit den Werten für Sonne und Regen. 

Auch gute Wetterdienste warnten da schon mal vor Starkregen, obgleich es dann ein sehr sonniger, trockener Tag wurde. Oder es regnete sturzbachartig, wo doch trockenes Wetter angesagt war.

Wetterlage Das Wetter im Juni war auch nicht ganz einfach vorherzusagen«, so Thomas Dümmel. Im Norden war es extrem trocken und zu kühl, im Süden wärmer als normal mit zahlreichen Gewittern und starkem Regen am Alpenrand. Insgesamt gab es mehrere Wechsel der Wetterlage, bedingt durch die Hochs Xenia und Walburga mit subtropischer Luft und die sogenannte Schafskälte gegen Mitte des Monats.

Einige Apps meisterten das wechselhafte Wetter bei der Regenprognose selbst über fünf Tage hinweg überraschend gut. WeatherPro konnte in rund 83 Prozent aller Fälle Regen- und trockene Tage sowie die Regenmenge richtig vorhersagen und schnitt dabei mit Abstand am besten ab. Das Schlusslicht in der schwierigen Regendisziplin war Wetter.com mit nur knapp 70 Prozent Trefferquote.

Regenprognose: 3 von 10 daneben   

Bei Wetter.com ging etwa jede dritte Regenprognose daneben. Das lag auch daran, dass der Wetterdienst für den Folgetag in rund 14 Prozent der Fälle zu viel oder zu wenig Regen vorhergesagt hatte und bei jeder sechsten Prognose der angekündigte Regen nicht eintraf. Das kam bei allen Apps deutlich öfter vor als der umgekehrte Fall. Sicher ist sicher, werden sich die Meteorologen da wohl denken.  Lieber einmal zu oft gewarnt, als von Niederschlägen überrascht zu werden.

Darstellung Bei der Aufbereitung der Daten sind die Apps deutlich besser als bei der Vorhersage. Regen und konkrete Mengen waren meist übersichtlich dargestellt, nur bei Wetter.de wurde es verwirrend. Mitunter gab der Dienst konkrete Regenmengen an und relativierte sie dann wieder mit einer Regenwahrscheinlichkeit unter 50 Prozent. Die Meteorologen scheinen da ihrem eigenen Urteil nicht so recht zu trauen. Eigentlich unnötig, da die Prognosen von Wetter.de immerhin die zweitbesten waren.

Unzuverlässig Besonders fehleranfällig waren alle Wetterdienste bei den Regenzeiten für den Folgetag. Die Anzeigen suggerieren eine Verlässlichkeit, die selten eintrifft. Ob es bereits um neun oder erst um 13 Uhr regnet, konnte keine Wetter-App verlässlich vorhersagen, so unsere Auswertung an 20 Regentagen. Am besten gelang das noch bei Wetteronline.de

Regenradar Wetteronline.de bietet auch einen guten Regenradar, der Niederschläge im Strömungsfilm für die nächsten 90 Minuten anzeigt. Wetter.de bietet diesen Service nicht an. Tipp: Die neue Unwetterapp des DWD hat sogar einen kostenlosen Regenradar (unter »Karten«) für die nächsten drei Tage.

Sonnige Stunden Neben der Regen- ist auch die Sonnenprognose noch ausbaufähig. Die besten Vorhersagen machte dabei Wetter.de, der Standardfehler lag für den Folgetag nur bei knapp zwei Stunden. Dagegen war bei allen Apps in der  Fünf-Tages-Vorhersage so mancher bedeckte Tag dabei, der eigentlich hätte sonnig werden sollen und umgekehrt. Die Prognosen für den Folgetag sind da schon deutlich genauer und zeigen zudem die sonnigen Tageszeiten an. Im Unterschied zu den oft schwammigen Wettersymbolen sind solche Angaben hilfreich.

Insgesamt lieferten alle vier Wetter-Apps sehr ordentliche Prognosen. Die wichtigsten Infos waren – abgesehen von Wetter.de – gut dargestellt, die Navigation recht einfach. Bleibt am Ende nur die ungelöste Frage: Regnet es jetzt morgen und um wie viel Uhr kommt der Niederschlag? Bei wechselhaftem Wetter oder Gewittern sollte man sich jedenfalls nicht auf die Prognosen verlassen, so unser Eindruck. Die können sich auch am selben Tag noch deutlich ändern. Im Zweifel allerdings wird das Wetter eher besser als vorhergesagt – Apps sind Pessimisten.  

Guter Rat ist auch auf Facebook aktiv.      

 

Artikel von Gast verfasst
Druckversion

Weitere Artikel in dieser Kategorie

Einkaufsführer

Welches Rad ist das beste für Sie?

Es gibt Räder in allen Preisklassen. Wir haben für Sie verschiedene durchleuchtet. Ist Ihr nächstes Fahrrad mit dabei? Einkaufsführer gratis downloaden!

weiterlesen

Sprachlern-Apps

Ich lerne Schwedisch

Binnen weniger Wochen sprachlich fit für den Urlaub in Stockholm? Das Smartphone soll’s möglich machen. Wir haben getestet, was Sprachlern-Apps wirklich können.

weiterlesen

Waffeleisen im Test

Sechs an der Waffel

Waffeln sind nicht nur in der Adventszeit eine beliebte Leckerei. Wie gut sie gelingen, hängt neben dem Teig vor allem von dem Waffeleisen ab

weiterlesen