Buchungstricks

Preiswert ins gemachte Bett

Alle Hotels ausgebucht? Kein Grund zur Panik. Wir zeigen, wie Sie selbst auf den letzten Drücker immer noch ein Zimmer zum annehmbaren Preis finden

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Selbst in Stoßzeiten wie zum Oktoberfest noch ein Zimmer finden – das ist möglich, wenn man die richtigen Tricks kennt

Freundlicher Sommerschock für den Opernfreund: Auf den letzten Drücker, drei Wochen vor Beginn, werfen die Bayreuther Festspiele plötzlich haufenweise Restkarten auf den Markt – nachdem die Aufführungen eigentlich schon lange ausverkauft waren. Nix wie hin, sagt sich da der Wagner-Liebhaber. Nur: Wo findet man denn so kurzfristig eine Unterkunft? Ein kurzer Blick in gängige Internet-Suchmaschinen bestätigt nämlich schnell: Bis auf wenige über­teuerte Hotels sind längst alle Betten zu den Opernfestspielen weg.

In solche Situationen kommen nicht nur die Operngänger. Wie wäre es mit ­einer Woche Abkühlung an der Ostsee auf Hiddensee – angesichts der Hitzewelle? Da lacht Sie jeder aus, der die Quartier­lage dort kennt. Wer von Ihnen gern verreist, wird selbst die Reihe weiterführen können. Oder sogar von abgesagten Plänen berichten können – nur weil es eben an der Unterkunft fehlte.
Bei der Gelegenheit haben wir noch ein paar weitere ähnliche Situationen geprüft: Wie kommt man zu einer brauchbaren und zugleich bezahlbaren Unterkunft, wenn eigentlich alles ausgebucht ist? Hier sind unsere Erfahrungen.

Airbnb

Von Privat. Wichtigster Anlaufpunkt für Kurzreisende ist inzwischen das ­Privatzimmer-Portal Airbnb. Zur Erinnerung: Airbnb bringt Leute mit zu viel Wohnraum mit Zimmersuchenden zusammen, die auch mal auf Hotelkomfort verzichten. Wer hier als Gast einmal auf den Geschmack gekommen ist, will das nicht mehr missen. Reinfälle mit Gast­gebern sind extrem selten, sofern der ­gesunde Menschenverstand wirkt.

Praktische Vorteile. Speziell zu Stoßzeiten wie Sportereignissen oder Festivals ist auf Airbnb richtig Verlass: Viele Besitzer großer Wohnungen richten speziell dafür ein Gästezimmer her oder ziehen sogar für einige Wochen zu Freunden. Wenn sie während dieser Stoßzeit lückenlos vermieten, ist das eine bessere Nebeneinnahme, als das ganze Jahr auf Gelegenheitsgäste warten zu müssen.

Anfänger unter den Gastgebern locken erst mal mit niedrigen Preisen, um schnell überhaupt Gäste und damit positive Bewertungen zu kriegen – Voraus­setzung für Preiserhöhungen.
Genau damit haben wir in Bayreuth ein prima Privatzimmer gefunden. Unser Vermieter ist mit 24 Euro je Nacht ein­gestiegen – fast geschenkt. Mittlerweile ist er beim Doppelten.

Richtig suchen. Auf Airbnb beginnen wir immer so: Zunächst grenzen wir die Suche auf ganze Zimmer oder komplette Wohnungen ein, denn auch Hostels mit Gemeinschaftsräumen tauchen bei Airbnb auf. Im nächsten Schritt suchen wir über die Landkarte weiter. Auf diese Weise ­orientieren wir uns an der besten Lage – am Opernhaus, am Sportstadion oder in Strandnähe. Im dritten Schritt begrenzen wir den Zimmerpreis.

Es gibt auch eine Sofortbuchungs-Funktion. Diese vermeiden wir – aus Erfahrung: Wir haben nämlich schon erlebt, dass nach so einer Sofortbuchung zwar auch das Geld abgebucht war, der Vermieter sich aber nie meldete. Das Geld bekamen wir zwar zurück, aber wir mussten neu suchen. Seitdem schreiben wir dem Vermieter immer erstmal eine Nachricht. Das schafft Vertrauen auf beiden Seiten.

Lösung. Im Fall der Bayreuther Festspiele war die Lage sehr schwierig. Unsere gewünschten zusammenhängenden vier Nächte gab es nur für ziemlich viel Geld. Also haben wir geprüft, was überhaupt an einzelnen Tagen angeboten wurde. Das brachte noch schlechtere Aus­beute. Grund: Viele Vermieter machen wegen des hohen Reinigungsaufwands eine Mindestvorgabe von zwei oder drei Nächten. Als wir das verstanden hatten, fanden wir sofort mehr Angebote.

Unterdessen antwortete ein Gastgeber auf eine Anfrage, dass er das Zimmer ­ausnahmsweise eine zusätzliche Nacht vergibt. Hier hatte sich also die Kontaktaufnahme doppelt bewährt. Am Ende hatten wir ein Zimmer mit kurzem Fußweg zum Festspielhaus, einem kaum schlagbaren Preis und einer freundlichen Begegnung obendrein.

Google

Ostsee. Hiddensee – die autofreie Ostseeinsel. Entspannung pur. Booking.com liefert hier mitten in den Sommer­ferien genau null Angebote. In der Not ­haben wir ganz dumm getan und sind zu Google gegangen. Dort gibt es eine Hotelsuche, die zunächst wenig Brauchbares ergab. Im nächsten Schritt landeten wir aber auf Google Maps. Und dort sind unzählige Hotels als kleiner, unscheinbarer Punkt eingezeichnet. Zumindest gefunden zu werden ist ja lebenswichtig für ­einen gewerblichen Vermieter – und mehr erst mal nicht. Die meisten dieser Punkte führten nicht zu einer Onlinebuchung.Bald wurde uns klar: So ein dichtes Verzeichnis von Quartieren wie auf Google Maps finden wir sonst nirgends.

Lösungen. Um die Auswahl auf Hiddensee zu erhöhen, haben wir auch weitere Begriffe benutzt: Hotel, Pension, ­Ferienzimmer, Ferienwohnung. Danach haben wir uns hinters Telefon geklemmt und E-Mails getippt. Auch hier ein echter Erfolg: Doppelzimmer im Hotel in Strandlage, Zimmerpreis mit Halbpen­sion: 73 Euro je Nacht.

Nächster Test: das Marathon-Wochenende in Berlin. Innenstadthotels wollen »Messe- und Veranstaltungspreise« – viel zu teuer. Auch hier halfen die Google Maps: In den Berliner Außenbezirken ­haben wir gezielt Unterkünfte in direkter S-Bahn-Nähe gesucht. Ergebnis: Doppelzimmer für 45 Euro mit Frühstück.

Booking.com

Der Gigant. Schon gewusst? Mehr als die Hälfte aller Online-Hotelbuchungen in Deutschland findet über Booking.com statt. Also sollte man denken, diese hohe Nachfrage treibt auch die Preise in die Höhe. Bislang ist es umgekehrt: Denn die große Ausstrahlung von Booking.com verschafft garantierte Buchungen. Wer als Hotelier wegen hoher Preise zunächst auf seinen Zimmern sitzen geblieben ist, macht einfach auf Booking.com ein attraktives Tagesangebot, und sie gehen weg wie warme Semmeln. Wir haben deshalb schon oft bei Last-minute-Buchungen ein oder zwei Tage vor der Reise entdeckt, dass Booking.com alle anderen unterbietet.

Suchkomfort. Einer weiterer Grund des Erfolgs ist die ausgefeilte Suche. Sie verknüpft mit Merkmale mit den Preisen wie keine andere Hotelsuchmaschine im Internet. Zudem akzeptiert die Sucheingabe Originalbezeichnungen oder Straßen­adressen von Google Maps. Das lässt sich zum Beispiel ausnutzen, um die Lage ­eines Hotels zu optimieren: So können Sie statt »Bayreuth« auch »Festspielhügel« eingeben. Die Suche wird von dort im ­Umkreis ausgeführt anstatt vom Stadtzentrum. Also optimal, wenn Sie zu einem Sport- oder Kulturereignis reisen und
lange Wege vermeiden wollen.

Lösungen. In unserem Test war Booking.com bei den deutschen Zielen unterlegen. Besser lief es in Prag: Viele Hotels sind hier aus unserer Sicht relativ teuer für osteuropäische Verhältnisse. Dann tritt das oben Beschriebene ein, und die Hotels nutzen Booking.com, um die restlichen Zimmer stark verbilligt loszuwerden. Optimal also für die Last-minute-­Suche. Ebenso gibt es in Prag viele ein­fache und sehr günstige Hostels und ­Pensionen in guter Lage. Ähnliche gute ­Erfahrungen haben wir auch in Polen mit Booking.com gemacht.   

Trivago

Meta-Suchmaschine. Trivago ist mittlerweile die einzige verbliebene anbieter-übergreifende Hotelsuchmaschine, die noch nicht mit Booking.com direkt verbandelt ist. Dem Konkurrenten Expedia gehörend, ist Trivago für eine »klassische« Hotelsuche immer eine gute Wahl. Damit meinen wir einen möglichst hohen Hotelstandard bei bestmöglichem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Für möglichst billige Privatzimmer eignet sich Trivago nicht, weil sich Betten in Gemeinschaftsschlafsälen unter die ­Suchergebnisse mischen und nicht ausschließen lassen. Vorteil ist dagegen die Entfernungseinstellung für die Suche: Hier können Sie einen Schieber zwischen null und 20 Kilometern bewegen.

Lösungen. In unseren Extremfällen kam Trivago nicht zum Zug, weil ja klassische Hotels ausgebucht oder überteuert waren. Wir benutzen Trivago aber gern, wenn das volle Hotelangebot gegeben ist und wenn wir günstige Hotels der gehobenen Klasse finden wollen.

Pension.de

Klein, aber fein: Die Seite Pension.de ist eigentlich eine Datenbank für Monteurszimmer in Deutschland – also eher einfache Quartiere. Sie ist recht primitiv aufgebaut, etwa auf technischem Stand der Neunzigerjahre: PLZ eingeben, dann erscheint eine Liste mit Quartieren. Der Benutzer muss beim Vermieter anrufen und sich auf Pension.de und den dort genannten Preis berufen.
Trotzdem wird dieser als Ab-Preis ­betrachtet und liegt oft höher. Auch ist nicht immer klar, ob die Zimmer frei sind. Viele Anbieter versäumen es, sie entsprechend zu kennzeichnen.

Lösungen. Pension.de ist manchmal ein Rettungsanker, wenn sonst gar nichts mehr geht. Da Monteure vor allem montags bis freitags unterkommen müssen, ist am Wochenende viel frei. Die Vermieter sind nicht auf die Wochenendeinnahmen angewiesen und stecken wenig in Werbung. Verstecktes Potenzial also. Innerhalb unserer Spezialfälle kam Pension.de für die Bayreuther Festspiele mit in die ­engere Wahl, wurde aber dann doch durch Airbnb geschlagen – aufgrund der ungünstigeren Lage zum Festspielhaus.

Fazit. Mit den beschriebenen fünf ­Internetadressen dürfen Sie die Regel »Früh buchen und flexibel sein« zu den Akten legen. Wir konnten damit genau das Gegenteil durchsetzen: Spät buchen und exakt zum Wunschtermin. Trotzdem erfordert das einige Arbeit. Unsere Faustregel für die Suche in den beschriebenen »aussichtslosen Fällen«: Kalkulieren Sie mit zwei Stunden Zeitaufwand für Suche, E-Mails und Anrufe – Tendenz abnehmend mit zunehmender Erfahrung.

Dass das trotzdem in Arbeit ausartet, können Sie oft nicht vermeiden. Aber ­immer noch besser als ein mitleidiges Achselzucken, das Sie in den meisten ­Reisebüros erfahren, wenn Sie mal eben kommende Woche nach Hiddensee wollen. Also haben Sie Mut für Schnaps­ideen und zögern Sie nicht, sie auch zu verwirklichen

 

Erstellt am 12.09.18

Artikel von Bernd.Adam verfasst
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